Der Säbel schlenkerte hoch in der Luft ... nun flog in weitem Bogen der Helm vom Kopfe des Reiters in den Chausseegraben, und verzweifelt umklammerte der Reiter den Hals des Pferdes ... immer näher heran raste die tolle Jagd ...
Ein Schrei war aus den Kehlen beider Mädchen erklungen, ein dumpfer Fluch kam aus den Zähnen des Majors, als den dreien der Vorgang klar geworden war. Während aber der Vater und die jüngste Tochter wie gelähmt auf das unbegreifliche Schauspiel starrten, warf Nelly plötzlich ihren Gaul herum und raste in der entgegengesetzten Richtung von dannen.
Der Major gaffte einen Augenblick verständnislos hinter seiner Ältesten drein ... Dann hatte er begriffen ... Nelly, die leidenschaftliche Reiterin, hatte den einzig richtigen Weg eingeschlagen ... Schon warf auch er den Gaul herum und galoppierte hinterdrein ...
In diesem Augenblick fegte schon der durchgegangene Gaul an ihm vorbei, und der Major erkannte in dem Reiter den Landwehronkel, mit dem er sich gestern abend so fabelhaft gebildet unterhalten ...
Mit wütendem Sporenhieb stachelte der Major sein Pferd, aber der Vorsprung, den der Durchgänger erlangt, schien nicht mehr einzuholen ...
Nun hatte der Flüchtling Nellys Pferd erreicht, und beide Tiere rasten in gleichem Tempo die Chaussee entlang ... immer mehr näherte sich das Mädchen dem Durchbrenner ... nun neigte sie sich im Reiten nach rechts hinüber und suchte die flatternden Zügel des rasenden Tieres zu fassen.
»Nelly — Nelly!« schrie der Major.
Das konnte ja nun und nimmer gut gehen! ...
Doch jetzt hatte das Mädchen die Zügel gepackt ...
Im vollen Dahinstürmen riß sie drei-, viermal mit ganzer Kraft den Kopf des Gaules zu sich herüber ...