»Nehmen Sie sich die beiden rechten Flügelgruppen vom ersten Zuge und suchen Sie, in das Gehölz hineinzukommen ... aber gedeckt ... verstehn Sie!? — auch wenn Sie einen größern Umweg machen müssen! — Und daß Sie mir nicht eher zum Vorschein kommen, als bis die Erste über den Exerzierplatz zum Angriff ansetzt ... sie muß ja selbstverständlich von der Hohen Tanne herkommen ... Wenn dann die vorhergehenden Züge auf der Höhe Ihres Gehölzes angekommen sind, dann erscheinen Sie plötzlich mit Ihren zwei Gruppen am Waldrand und schießen der Ersten in die linke Flanke hinein ... Haben Sie begriffen?«
»Zu Befehl, Herr Oberleutnant!«
»Na, nun nehmen Sie sich mal zusammen und beweisen Sie, daß Sie würdig sind, nächstens die Offizierqualifikation zu bekommen — Sie Vertreter der Intelligenz! Los, treten Sie an!«
Der einjährig-freiwillige Unteroffizier Friesen begab sich an die rechte Flanke der ausgeschwärmten Kompagnie und befahl: »Erste und zweite Gruppe vom rechten Flügel des ersten Zuges — sammeln!«
Im selben Augenblick galoppierte auch schon der Kompagnieführer heran: »Donnerwetter, Friesen, wozu wollen Sie denn Ihre zwei Gruppen sammeln? Lassen Sie die doch ausgeschwärmt ... Wir sind im Gefecht! Einfach kehrt marsch und dann in Schützenlinie 'runter in den Grund ... so schnell wie möglich ...«
Der Einjährige stand stramm, zog dann mit dem Befehl »Schwärmen!« seine beiden Gruppen wieder auseinander und führte sie in den waldbestandenen Grund, der sich zur Rechten des Kastanienwäldchens hinzog ...
Alle Wetter, heute galt's aufpassen!
Oberleutnant Menshausen leitete die Ausbildung der Einjährigen und ihre Vorbereitung zum Offizierexamen, und von seinem Wohlwollen hing es sehr wesentlich ab, ob man bei der Entlassung zur Reserve die Qualifikation zum Offizier des Beurlaubtenstandes bekommen würde ... Übrigens war er ein harter Instruktor gewesen, der eine tiefe, grundsätzliche Abneigung gegen die »Intelligenz im Heere« besaß und sich gar keine Mühe gab, das zu verbergen ...
Also wirklich, es ging »um die Wurst!«
Ach ... und dabei war Hans Friesen heute so ganz und gar nicht dazu aufgelegt, seine Gedanken auf den Königlichen Dienst zu konzentrieren ... Auf halb zwölf war er zu Frau Hauptmann von Brandeis befohlen, um dort den Damen des Regiments, die bei der Festaufführung im Kasino mitwirken sollten, und dem Herrn Bataillonsadjutanten das Festspiel vorzulesen, das — er selbst — Hans Friesen, verfaßt hatte ...