Diese erhabene Generalidee mußte sich der unglückliche Einjährige im Schweiße seines Angesichts abgerungen haben.
Cäcilie von Brandeis meinte ihn ordentlich zu sehen — den ihr noch unbekannten jungen Herrn — wie er, als Wachhabender auf Pulverhaus- oder Schießstandswache, keuchend diese Banalitäten zusammenleimte —
Und doch — wenn sie von dem Gedankengang des Ganzen absah, der ja schließlich für seinen Zweck wohl kaum anders hätte konstruiert werden können, und sich an die Ausführung hielt —
Was sie da las: das waren doch immerhin Verse ... Verse, in denen hin und wieder ein besonderes Wort, ein eigentümliches rhetorisches Glänzen verrieten, daß ein feiner Kopf hinter dem handwerksmäßigen Gestammel stand, das er vielleicht selbst verlachte, während er es aufs Papier geschludert — —
Und an einigen Stellen brach's hervor: ein harnischblinkendes Geschlecht klirrender Worte und Rhythmen, der Heerbann einer Seele, die ihre Kräfte zu künftigen Schlachten zusammenzog —
Frau Cäcilie freute sich dessen, was sie da ahnte ... freute sich, daß es ihr gegeben war, solches zu ahnen ... ihr, der Tochter der heitern rheinischen Künstlerstadt ... dem Sprößling einer altpatrizischen Fabrikantenfamilie, die es immer für einen Ehrentitel ihres Namens gehalten hatte, sich mit Kunst zu umgeben, Kunst zu fördern, mit der Kunst zu leben ...
Und ein wenig spöttisch ... ein wenig bitter mußte sie lächeln, wenn sie sich erinnerte, wie ihr guter Fritz ihr das Manuskript des Einjährigen gebracht mit den Worten:
Na, das lies mal, Kindchen! Da wirst du staunen ... einfach begeisternd so was ... einfach niederschmetternd schön! — Jawoll, das ist der Geist des Regiments Prinz Heinrich der Niederlande ...
So dichten bei uns die Einjährigen ... stell' dir vor, wie erst die Leutnants dichten ...!
Ihr guter Fritz — wie er sie vergötterte ... Kunststück! — Er verdankte ihr ja auch ein überaus behagliches Dasein —