Schweigend ging Frau Cäcilie aus dem Salon in ihr anstoßendes Damenzimmerchen und holte einen stattlichen Folioband aus ihrer Bibliothek; den schlug sie auf und hielt den Titel den Besucherinnen hin:

Schiller.

Ein Gedenkbuch für das deutsche Volk
zu des Dichters hundertjährigem Todestage
von
Wilhelm Frobenius.

Fünfzehntes bis zwanzigstes Tausend.

»Donnerwetter!« sagte Nelly erstaunt, »ist das von dem Herrn aus dem Froschtümpel?«

»Na, jedenfalls werden wir uns danach erkundigen müssen!« erklärte Frau Cäcilie.

Mit einer seltsamen, unverstandenen Empfindung entsann sich Nelly in diesem Augenblick des heißen Leuchtens, das plötzlich aufgeglüht war hinter den großen Brillengläsern, als der fremde Mann sie angeschaut, den sie heute zum ersten Male gesehen ...

Ihr war's in der Erinnerung, als habe sie da hineingeschaut in eine Welt, die ihr ganz unbekannt geblieben war bis auf diesen Tag ... ihr, dem Soldatenkinde, das von nichts wußte als von hartem Dienst ... von eiserner Pflichterfüllung ... von engumzirkelter Gesellschaftsfron ...

In diesem Augenblick erschollen lustige Klänge auf der Promenade, die rasch näher und näher kamen ...

Die Pfeifen schrillten ... rasselnd knarrten die taktmäßigen Wirbel der Tambours ...