Hatte nicht schon einmal ein Poet eine Molly besungen — —?!
Siebentes Kapitel.
Über dem Leben des Füsilierregiments Prinz Heinrich der Niederlande lagerte die Stille vor dem Sturm ... die satte, friedliche Sommerstille.
Die großen Besichtigungen waren überstanden. Auch die fatalen vier Wochen auf dem Truppenübungsplatz lagen bereits hinter dem Regiment, als die letzte Gruppe der Reserveoffiziere eingerückt war. Und alles rastete nun ein wenig bis zum Beginn der Herbstübungen, in denen die Arbeit des ganzen Jahres, der Ausbildungsgang mit seiner weise berechneten, allmählichen Steigerung der Ansprüche und Leistungen alljährlich gipfelte.
Die stille Zeit vor dem Manöver wurde hauptsächlich durch fleißiges Schießen und durch kleinere und größere Felddienstübungen ausgefüllt. So hatten die Reserveoffiziere über allzu starke dienstliche Inanspruchnahme nicht zu klagen. Von den aktiven Herren waren viele beurlaubt; die übrigen atmeten nach der Schinderei des Frühjahrs und Hochsommers ein wenig auf.
Mit Feuereifer stürzten sich die Beteiligten auf die Vorbereitungen zum Regimentsfest. Alle zwei bis drei Tage fanden nachmittags unter Leitung des Festspielpoeten Proben für die Aufführung statt, entweder bei Frau von Brandeis oder bei der Protektorin des Abends, Frau Major von Sassenbach.
Für Hans Friesen bedeuteten diese Proben eine schattige, blumendurchduftete Oase in der dürren Wüste seines Kommißdaseins ... Er lebte nur noch für diese Stunden ...
Was galt's ihm, daß sein Instruktionsoffizier ihn vor versammeltem Kreise seiner Kameraden für den unfähigsten Tappelhans erklärt hatte, der jemals das Regiment verschimpfiert habe?
Was war ihm daran gelegen, daß sein Feldwebel Düfke ihm die Sonderstellung, die sein Talent ihm den Offizieren gegenüber verschafft hatte, täglich durch um so kommissigere Behandlung vergalt, ihm mit dienstlichen Plackereien, wo es nur irgend möglich war, ins Gedächtnis rief, daß er nicht mehr und nicht weniger sei als eben ein Unteroffizier ...
Mochte er ihn den ganzen Tag und die halbe Nacht schikanieren und kommandieren, soviel er wollte ... die Nachmittagsstunden der Proben mußte er ihm freilassen — laut Bataillonsbefehl!