Übrigens hatte Hans auch sonst dienstlich schlechte Tage. So gut er von den Offizieren im allgemeinen zurzeit behandelt wurde, die Herren seiner eigenen Kompagnie machten eine Ausnahme.
Da war Hauptmann Goll, ein alter Junggesell und notorischer Weiberfeind, übrigens ein Verächter alles dessen, was nicht königlicher Dienst war ... und der Künste und Wissenschaften noch ganz besonders.
Da war der Oberleutnant Menshausen ... da war endlich auch der Leutnant Quincke, der, im dunkeln Gefühl der überaus mangelhaften Entwicklung seiner eigenen Geistesgaben, jeden mit seiner grundsätzlichen Abneigung beehrte, der irgend etwas leistete.
Da war schließlich auch der gestrenge Bataillonskommandeur. Wenn der auf der Bildfläche erschien, dann konnte der einjährigfreiwillige Unteroffizier Friesen sicher sein, irgendwie »aufzufallen«.
»Auffallen« war nämlich gleichbedeutend mit »unangenehm auffallen« ... dienstlich irgend etwas versehen haben — die gute dienstliche Leistung verstand sich von selbst und fiel also nicht auf.
Es war, als ob der Major den unglücklichen Einjährigen im Dienst dafür bestrafe, daß er sich außer Dienst der Gunst der Frau von Sassenbach erfreute.
Ach, wenn Hans gewußt hätte, daß er die unverhohlene Auszeichnung, mit der Frau von Sassenbach ihn behandelte, vor allem dem Umstande verdankte, daß er nach ihrer Auffassung auch nicht im entferntesten als Bewerber um eine ihrer Töchter in Frage kam — —
Ein bürgerlicher Gerichtsreferendar, der noch nicht einmal die Qualifikation zum Reserveoffizier besaß — in dem sah auch Mama von Sassenbachs Argwohn nur den harmlosen, völlig ungefährlichen jungen Menschen, der sich mit Wonne nützlich machte beim Arrangement des Regimentsfestes und überaus korrekte Verse von einer vollendeten Loyalität der Gesinnung zu drechseln verstand —
Wenn Hans Friesen das geahnt hätte —!?
Er faßte die liebenswürdige, fast mütterliche Behandlung, welche die Frau Majorin ihm angedeihen ließ, in einem viel schmeichelhafteren Sinne auf —