Und hatte er dazu nicht eine gewisse Berechtigung —?

Denn daß die Nächstbeteiligte — daß Molly von Sassenbach ihn mit gnädigen Augen ansah ... das durfte er sich in Augenblicken schwellenden Hoffnungsglücks denn doch gestehen ...

Geschehen war ja selbstverständlich eigentlich gar nichts zwischen ihnen beiden ... sah man sich doch nur im Kreise der »Schmiere«, wie die kleine Schar der Komödianten des Festspiels sich bereits benannte, und unter den wachsamen Augen der gestrengen Frau Mama ... zudem unter den noch gestrengeren Blicken der Offiziere, für die man zwar außer Dienst »Herr Friesen«, im Dienst aber sofort wieder nur der Unteroffizier Friesen war ...

Und dennoch ... wenn Hans Friesen nach der Probe zur Kaserne zurückeilte, wo seine Anwesenheit dringend notwendig war im Interesse seiner Korporalschaft ... dann war er doch immer in einer wahren Weltumarmungsstimmung ...

Zwei-, dreimal war es ihm doch gelungen, einen Blick aus den veilchenblauen Augen zu erhaschen ... einen Blick! ... all ihr Götter! nach solch einem Blick war's dem guten Jungen jedesmal zumute, als müsse er den engen Tressenkragen aufreißen ... aufspringen, ans Fenster stürmen, mit tiefen Atemzügen die laue Sommerluft in die glühende Brust eintrinken ...

Statt dessen mußte man ruhig und gemessen sitzen bleiben, von scharfen, wachsamen Augen unermüdlich beobachtet und kontrolliert ...

So waren diese Stunden seines außerdienstlichen Daseins auch wieder ein Qual! —! ach — ein süße Qual —!

Sonst nichts als Dienst — Dienst — Dienst! Morgens um vier in die Kaserne ... abends um neun aus der Kaserne ... dazwischen nur eine Mittagspause von einer Stunde, verbracht in Gesellschaft der übrigen Einjährigen in einem benachbarten Speisehause ...

Die Kellnerinnen, die hier bedienten, waren seit einem Jahre der einzige weibliche Umgang gewesen, den Hans Friesen gehabt hatte ... Nun hatten Rosel und Suse plötzlich für ihn jedes Interesse verloren ...

Sie schmollten und rächten sich, indem sie's beim Servieren immer so einrichteten, daß Hans Friesen zuletzt an die Reihe kam und nehmen mußte, was die Kameraden übrig gelassen hatten ...