Frau Cäcilie war vor anderthalb Jahren dem Regiment wie ein Stern aufgegangen ...

Jeder kannte die Höhe ihrer Mitgift und wußte, daß sie auf ein noch ganz anderes Vermögen Anwartschaft hatte, wenn sie einmal ihre noch recht rüstigen Eltern in Wiesbaden beerben würde.

Inmitten eines Offizierkorps, dessen Angehörige weder von Hause aus noch im großen und ganzen infolge ihrer ehelichen Verbindungen durch namhafte Vermögen ausgezeichnet waren, gab soviel Geld immerhin die Folie des Außergewöhnlichen.

Aber mehr noch als diese äußeren Güter war es der Ruf ihrer eigenartigen Schönheit, ihres Geistes und ihrer Talente, was sie hoch über das Durchschnittsniveau der im Regiment vertretenen Weiblichkeit heraushob und die erstaunte Frage berechtigte, wie eine solche Dame sich mit einer glatten Mittelmäßigkeit wie Fritz von Brandeis habe begnügen können! —

Es herrschte in den gesellschaftlichen Beziehungen der Herren des Regiments zu seinen Damen im allgemeinen ein ausgezeichneter Ton. Die Frauen und Töchter der Kameraden galten auch den ausgesprochensten Don Juans als Tabu.

Um die schöne Frau von Brandeis aber, die Tochter der Künstlerstadt, wehte es wie ein geheimnisvoller Hauch von Seltsamem ... geheimnisvoll Lockendem ... der sie aus der Schar der bieder korrekten Frauen und Mädchen heraushob, die man sonst an der Seite der Kameraden zu sehen gewohnt war ...

Und die keckern unter den jüngern Herren hatten denn auch in aller Vorsicht einmal Fühler ausgestreckt — aber sie waren rasch und gründlich enttäuscht worden —

Frau von Brandeis war eine ebenso tadellose wie zärtliche Gattin —

Oberleutnant Menshausen, der Abgott aller Nähmädchen und Ladenmamsells der Garnison, hatte im Vertrauen auf eine nicht unbeträchtliche Reihe von Erfolgen auf gefährlichen Gebieten einmal einen etwas schärfern Ansturm riskiert ... aber die schöne Frau hatte ihm in einer Weise heimgeleuchtet, die ihm ein für allemal den Mut zu weitern Versuchen benommen hatte.

Von alledem hatte Martin Flamberg in den letzten Tagen im Kasino genug gehört, um mit einiger Spannung seinem heutigen Erlebnis entgegenzusehen ...