Nun, er war ja abgehärtet ... mochte Frau von Brandeis immerhin ein kleines Wunder sein ...

Wenn er die Reihe strahlender Schönheiten an sich vorüberziehen ließ, die im vergangenen Sommer seinem Pinsel gesessen hatte, so brauchte er nicht zu befürchten, in Versuchung zu kommen ... Agathe konnte ganz ruhig sein! —

Sein erster Eindruck war eine gewisse Enttäuschung ... Unwillkürlich hatte er sich ein Bild der vielberedeten Erscheinung gemacht ... groß — königlich — brünett ... Nun war sie einen Kopf kleiner als er selbst, von rötlich-braunem, flimmerndem Haar, zarten Farben, lebhaftem, etwas unruhigem Auge ... Gewiß ein sehr anmutiges Geschöpf ... aber für ihn, den Verwöhnten, doch nichts Außergewöhnliches ...

Mit großer Lebhaftigkeit leitete Frau Cäcilie das Gespräch ein: »Ich entsinne mich sehr wohl, Herr Flamberg, Ihnen einmal in Gesellschaft begegnet zu sein!«

»Ah, bei Kommerzienrat Trinkaus, nicht wahr, meine Gnädigste?«

»Gewiß, bei Trinkaus. Ich weiß noch, Sie haben einen auffallend schlecht sitzenden Frack getragen ... Daran hab ich gleich gemerkt: der muß was Besonderes sein ... Wenn einer bei Trinkaus so schlecht angezogen herumlaufen darf, das ist sicher ein Genie ...«

»Stimmt, stimmt!« lachte Flamberg, »gepumpt für zwei Mark fünfzig!«

»Heute scheinen Sie etwas mehr auf Schneider zu halten!?«

»Geschäftssache, gnädige Frau! — Ein gewisses Publikum glaubt nur an Künstler, die in erstklassigen Ateliers arbeiten lassen können!«

»So — und das können Sie also!?«