Heute sah er sie ganz anders.

Die drei andern Damen, die Offiziere, nicht zuletzt der Gatte, gaben dieser Frau eine Folie, die sie seltsam hob ... In dieser Umgebung, wahrhaftig, erschien sie wie ein hinverwehtes Wunder.

Aller Augen hingen an ihr; sie beherrschte die Unterhaltung.

Spießbürgerliche Mißbilligung lag auf dem spitzen Gesicht der Frau von Sassenbach ... rötete ihre Nase ... ließ ihre grauen Augen in frostigem Pharisäertum funkeln ...

Die stattlichen Majorsmädel verschlangen die elegante junge Frau in naiver Bewunderung ...

Leutnant Blowitz, ein braver Junge, huldigte ihr mit knappenhafter Ergebenheit ...

Schoenawa, ein kalt beherrschter Energiemensch, verfolgte jede ihrer Bewegungen mit verschlossenem, finsterm Ernst ... Nur zuweilen flimmerte in seinen frostigen schwarzen Augen ein heißer Strahl; der verriet Martin Flambergs geschultem Malerauge: auch dieses Mannes Seele, soviel er davon besitzen mochte, stand im Banne der Hausherrin ...

Ihr Gatte glänzte übers ganze Gesicht vor demütig anbetender Bewunderung, vor Glück und Stolz, der legitime Besitzer so vieler Herrlichkeit zu sein ...

All diese Verehrung, diese teils freiwillige, teils widerwillige Bewunderung steckte den Maler an.

Und wirklich ... sie sah strahlend aus ... sie trug eine fraisefarbene Seidenrobe, überrieselt von einem bronzefarbenen Spitzengewirk ... Der Ausschnitt ließ eine Schulterlinie von adeliger Zeichnung frei, den Hals mit leisem Rosa angetönt ... ihn umzog ein dünnes goldenes Kettchen mit einem smaragdgrünen Darmstädter Glasschmuck ... Für Maleraugen ein Fest ...!