Manchmal kam Hauptmann von Brandeis vom Nachmittagsbesuch im Kompagnierevier zurück, steckte, freundlich lächelnd, den Kopf ins »Atelier«, warf einen prüfenden Blick auf die Fortschritte des Abbildes ... einen strahlenden auf das Original ...
Das Lächeln, das diesen Blick erwiderte, ward täglich matter und matter ... Brandeis merkte es nicht.
»Wie finden Sie meinen Mann?« fragte Frau Cäcilie einmal den Künstler.
»Ich bin ihm sehr gut, er ist so eine wahre Natur, durch und durch echt — so etwas empfinden wir stets als besonders wohltuend — wir verlogenes, verdorbenes Künstlergesindel, wir —«
»Verlogen und verdorben — seid ihr alle so —?«
»Alle ... das liegt in unserm Handwerk ... das ganze Leben ist uns ja doch nur ein Vorwand ... alle Menschen sind uns nur Mittel zum Zweck ...«
»Aber zu was für einem Zweck —!«
»Zu keinem schlechten — das weiß Gott! — Aber die Menschen, die mit uns umgehen, sind dennoch immer betrogen ... wir nützen sie aus, und sie dürfen's nicht merken ... beileibe nicht ... daß sie uns nichts sind als Modelle!«
»Das sagen Sie — ein Bräutigam?«
»Das ... steht auf einem andern Blatt, gnädige Frau ...«