Die Fackel, die seinem Grabe entloht,
Soll Jugend um Jugend hüten,
Bis unter Morgen- und Abendrot
In Friedensträumen und Schlachtentod
Die letzten Deutschen verblühten.

Ein Flammenengel des Weltgerichts
Schläft still in schimmernden Waffen.
Einst wird er, zerstäuben die Welten in Nichts,
Die blühende Lanze voll schwellenden Lichts
Von seinem Grabe raffen.

Dann leuchtet sein Leib aus der Toten Chor,
Ein Blitz aus wogender Wolke,
Dann bricht er mit Fackel und Schwert hervor
Und leuchtet durch der Ewigkeit Tor
Voran seinem deutschen Volke.«

Die Pulse flogen mir. Ich stand auf und ging hinaus. Freie und Frische wehten mich an. Das Herz wallte mir leichter als seit langem. Da – ein Rauschen in den Lüften, ein scharfes Schreien, ein Näherbrausen, ein wanderndes Gänseheer rauschte hoch über Winknobroscz hin nach Süden. Ihre Schatten flogen über mich hin. Eine Erinnerung drückte auf mich wie eine lastende Hand. Wie lange war es her, daß das Gänseheer wandernd nach Norden rauschte über die kriegswunden Wälder vor Verdun hin, über den Freund und mich?

»Rausch' zu, fahr' zu, du graues Heer!
Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
Fahrt ihr nach Süden übers Meer –
Was ist aus uns geworden?

Wir sind wie ihr ein graues Heer
Und fahr'n in Kaisers Namen,
Und fahr'n wir ohne Wiederkehr,
Rauscht uns im Herbst ein Amen!«

Aus Frühling und Sommer war Herbst geworden. Die Graugänse wanderten nach Süden. Fernhin rauschte ihre Fahrt über das einsame Grab auf den stillen Höhen über dem Simno-See … Ich schaute dem wandernden Heere nach, doch nicht lange. Wie eine Hand lag mir's im Nacken, die mich duckte. Da ging ich zurück in die polnische Schmiede und warf mich ins Stroh.

Tiefer und tiefer hinein in russisches Land ging der Vormarsch. Moskauer und Petersburger Garden warfen wir aus verschanzten Wäldern, setzten auf Pontons über die Wilia und lagen in der Hölle des brennenden Porakity, über dessen Trümmer die Flut der Russengeschosse hinging, während wir wehrlos, von siedender Helle übergossen, durch mörderische Stunden warteten. Wir schanzten uns vor Ostrow ein und hörten das Geheul der durch das brennende Uljany vorbrechenden und wieder zurückgeworfenen Russenhorden.

Wir stoßen unsre Schwerter
Nach Polen tief hinein.
Die Hand wird hart und härter,
Das Herz wird hart wie Stein.