Vielleicht, Herr Geheimrat, war die Maßregel etwas zu strenge. Ich als alter Menschenkenner habe nur mit Bedauern das Zwangsmittel ergriffen. Vielleicht ist es in Güte möglich, den jungen Mann auf die rechte Bahn zu führen. Ich bin überzeugt, er ist kein schlechter Mensch. Es gibt schlimmere Sorte!
Der Vater:
Herr Kommissar, ich habe ihn zwanzig Jahre beobachtet. Ich bin sein Vater, außerdem bin ich Arzt. Ich muß es wissen.
Der Kommissar:
Verzeihung, Herr Geheimrat, ich wollte keineswegs ...
Der Vater:
Im Gegenteil: ich bitte um Ihr Urteil! Sie sind sicher ein erfahrener Mann, doch betrachten Sie die Dinge unter Ihrem Winkel. Ich glaube, ich täusche mich nicht. Ich habe reiflich überlegt, bevor ich mich entschlossen habe. Es ist keine Güte mehr möglich! Nur die äußerste Strenge kann ihn noch bessern. Dieser Junge ist verdorben bis auf den Grund seines Charakters. Er will sich meinem Willen entziehen — das darf unter keinen Umständen geschehn. Sie haben seine Reden nicht gehört! Die Jugend von heute läuft ja Sturm gegen alle Autorität und gute Sitten. Seien Sie froh, daß Sie nicht einen solchen Sohn haben.
Der Kommissar:
Herr Geheimrat: ich habe Söhne. Und ich liebe sie! Ich könnte den Fluch der Schändung nicht auf ihr Haupt rufen. Ich kenne die furchtbare Tragödie zu sehr! Wir haben mit Tieren und Verbrechern zu tun. Bevor ich mein eignes Blut in diesen Abgrund stoße, lieber lebe ich nicht mehr. Selbst bei jugendlichen Kriminellen kennen wir vor dem Gesetz noch Verweise und Strafaufschub. Was hat Ihr Junge denn Schlimmes getan? Hat er geraubt, gefälscht, gemordet? Das sind die Kreaturen, mit denen wir rechnen müssen; das ist die Gesellschaft, in die Sie ihn treiben. Verzeihn Sie mir noch ein offenes Wort: Sie brandmarken ihn für sein Leben. Sie stempeln ihn mit der Marke des Gerichts. Er hat einen kleinen Ausflug gegen Ihren Willen unternommen ...
Der Vater