Und wenn er Sie beleidigt?

Der Kommissar:

Mein Sohn ist doch ärmer und schwächer als ich. Wie kann er mich beleidigen!

Der Vater:

Herr Kommissar, ich bin aktiv gewesen; ich habe für meine Ehre mit dem Säbel gefochten. Ich trage noch die Spuren (er weist auf eine Narbe in seiner Wange): ich muß mein Haus rein halten. Ich kann mich auch von meinem Kinde nicht ungestraft beschimpfen lassen. Außerdem erachte ich die Verantwortung des Erziehers zu hoch, sich einem Zwanzigjährigen gleichzumachen.

Der Kommissar:

Ich fürchte, wir reden einander vorbei. Ich habe auch in meiner Jugend gefochten. Aber die Zahl der Semester und Mensuren erscheint mir kein Maßstab. Unsere Söhne verlangen, daß wir ihnen helfen. Herr Geheimrat: Das müssen wir tun. Ob sie besser sind oder schlechter als wir, ist eine Frage der Zeit — nicht des Herzens.

Der Vater:

Ich bin bestürzt — verzeihn auch Sie mir die Offenheit in einer ernsten Stunde. Wie kann ein Vater, wie kann ein Beamter so reden! Unsre jungen Leute werden schlimmer und verderbter von Tag zu Tag. Das ist notorisch! Und dieser Fäulnis im kaum erwachsenen Menschen soll man nicht steuern!? Ich halte es für meine heiligste Pflicht, gegen die Verirrung zu kämpfen, und ich werde es tun, solange ich atme. In welcher Zeit leben wir denn? Hier lesen Sie in der Zeitung, wie weit es schon gekommen ist! (Er nimmt das Blatt und weist auf die Stelle.) Gestern hat in einer geheimen Versammlung ein Unbekannter gegen die Väter gepredigt. Das kann nur ein Wahnsinniger sein!! Aber das Gift hören Tausende und saugen es gierig. Weshalb schreitet die Polizei nicht ein? Diese Bürschchen sind staatsgefährlich. Hinter Schloß und Riegel mit allen Verführern; sie sind der Auswurf der Menschheit.

Der Kommissar