Der Sohn:
Welche Wollust, ihn zu betrügen! Als ich Sie gestern in seinem Zimmer küßte, wie genoß ich dieses Glück. Und das Sofa, auf dem wir uns umarmten, hat meine Rache gespürt. Und die toten, höhnischen Möbel, vor denen mein Vater mich prügelt, haben alle, alle das Wunder gesehn. Ich bin nicht mehr der Verachtete. Ich werde Mensch!
Das Fräulein:
Ihr Vater hat vielen, die in Not sind, geholfen. Wir müssen ihm dankbar sein! Oft, wenn die Nachtklingel durchs Haus schrillte, stand Ihr Vater auf und holte Wein aus dem Keller und eilte zu einem Kranken, der am Sterben war. Es geht ein Trost von ihm aus in der Dunkelheit des Todes und der Armut. Er hat mehr Gutes getan als wir.
Der Sohn:
Ja Fräulein, und deshalb will ich mit ihm reden. Er muß mich hören, er muß mir helfen — er, der ein Arzt ist und am Bette von Tausenden steht. Sollte er den eignen Sohn in der Verzweiflung verlassen? Ich will ihm alles sagen, was mir auf der Seele ist. Ich will darauf bauen, daß meine Kraft stärker wird als sein Mißtrauen in all den Jahren. So will ich vor ihn hintreten: es tut not, daß wir uns fester aneinander halten, wieder einer am andern.
Lassen Sie mich noch Ihre Wärme fühlen, ehe der Frost des Wiedersehens mir am Herzen würgt. Könnt ich ihn überwinden! Durch Ihren Mund hörte ich die Stimme des Lebendigen und der Gnade. Doch werde ich versuchen, meinen Vater in Erhabenheit zu finden, wie der Gott der Freude mir in dieser Nacht verkündet ist. Die Rosse Achills sollen feurig vor meinen Wagen gespannt sein! Jetzt habe ich Mut, alles zu tun, denn ich glaube an mich.
Das Fräulein:
Deine Augen leuchten — wie schön ist diese Glut! Noch bist du bei mir, noch habe ich dich. Und weiß doch, daß ich dir nur eine kleine Spur bin im Garten des großen Gefühls. Komm, vielleicht hast du mich morgen schon vergessen. Und heute lieb ich dich so.
Der Sohn: