Der Sohn:

So höre, Papa, noch ein Wort! Du sollst erfahren, daß ich gehungert habe in deinem Hause! Die Gouvernanten haben mich geschlagen, und trotzdem hast du ihnen geglaubt! Du hast mich auf den Speicher gesperrt. Ich bin oft schuldlos gestraft worden, keiner hatte Mitleid mit mir. Papa! Es gibt doch Freude — etwas, was golden an die Firmamente rollt — weshalb war ich verstoßen von allen wie ein Mensch mit der Pest? Weshalb muß ich weinen, wenn ein armer Affe im Zirkus aus einer künstlichen Tasse trinkt? Ich kenne die Qual der unfreien, der friedlosen Kreatur. Das ist gegen Gott! Du hast mir die Kleider verboten und mir die Haare geschoren, wenn ich aus glühender Eitelkeit sie anders wollte als du. Soll ich noch weiter in diesem Schlunde wühlen, wo doch an tausend Zacken mein Fleisch klebt! Sieh mich an — was hab ich getan? Kann es nicht bald genug sein. So hör doch und laß mich endlich einen Strahl des allerbarmenden Lichtes sehn. Es steht ja in deiner Macht. Du hast dich verschlossen — tu dich mir auf! Gib mir die Freiheit, um die ich dich grenzenlos bitte.

Der Vater:

Welche Freiheit soll ich dir geben? Ich verstehe nicht, wovon du sprichst.

Der Sohn:

Nimm mich von dieser Schule fort — gib mich dem Leben. Sei gut zu mir, wie zu einem Kranken, der vielleicht morgen schon sterben muß. Auch mir gib Wein, den du für ihn aus dem Keller holst. Auch mich laß trinken, denn sieh, ich bin ganz vom Durste zerfressen.

Papa! Nie bist du zärtlich zu mir gewesen, wie zu dem niedersten Wesen in deinem Spital. Nie hast du mich umarmt, wenn ich ängstlich dir am Schreibtisch gute Nacht sagen kam. Und doch hab ich es gefühlt, und ich habe unendlich begriffen, daß ich dein Sohn bin. Die Wüste meines Bettes, wo jedes Körnchen gezählt war, ist nicht so groß, wie dieses Wort der Verzweiflung. Und ich will, ja, ich will etwas von dir erreichen, und sei es nur eine Wimper deines Auges — und wenn du mich wieder fortstößt: mein Wunsch ist doch größer als du in dieser Sekunde.

Der Vater:

Erspar' dir die Mühe, so fängst du mich nicht. Welch ein greisenhaft trauriger Narr stehst du vor mir! Ist das deine ganze Weisheit? Und so sprichst du über deine Jugend, über die Erziehung in deinem Vaterhaus. Schämst du dich nicht? Wenn du mich verletzen wolltest — jetzt hast du es erreicht.

Der Sohn: