(Sie tritt zu ihm und bindet die Schleife.)
Der Sohn
(beugt sich mit vollendeter Form auf ihre Hand):
Ich danke Ihnen, Fräulein. Leben Sie wohl!
(Er schwingt sich durchs Fenster und entflieht. Man sieht stärker die Lichter und hört die Musik. Ein Zug rollt.)
Sechste Szene.
Das Fräulein
(allein am Fenster, beugt sich ihm nach. Sie nimmt ein kleines Kissen und preßt es an sich):
Da eilt er durch den Park mit blauem Flug
Dem Gotte zu, der schon sein Haupt umkränzt.
Ihm lebt der Tag, die Nacht ihm unbegrenzt;
Zwölf weiße Adler folgen seinem Zug!
Ihn führt der Röte Dämmerung nicht zurück,
Solang die Welt in seinem Herzen steigt;
Solang sich eine Frau, ein Stern dir neigt:
Zieh hin, mein süßer Freund, und sei im Glück!
Mich aber trug des Himmels reiche Stund'
Vom kleinen Zimmer fort ins große Meer;
Die Welle, ach die Nacht wird mir zu schwer —
Wo find ich Ruh und Trost mit meinem Mund.
O könnt ich etwas sein und für ihn tun!
Nur dieses kleine Kissen will ich nähn,
Drauf soll er freundlich jeden Abend ruhn
Und soll behütet sein und mich nicht sehn.
Und wenn sein Aug' sich schwingt in goldner Luft,
So will ich nah sein dem geliebten Bild,
Und wachen will ich, ob es einst mich ruft,
In Dunkelheit und Tränen ungestillt.
(Sie beugt sich über das Kissen und beginnt zu nähen, von vielem Weinen verhüllt.)