Ihr seid, scheint's, alle sehr gespannt. Das führt zu weit. Die Stunde heischt Kürze. Cherubim! Diesen schönen Namen hast du dir beigelegt. Sonst hab ich nie mich besonnen, das Wort mit vollem Klange zu sagen. Nun bin ich voll Ekel. Ich kann dir nicht mehr in die Augen sehn. Wie hast du gewagt, dich mit dem Namen des Engels zu nennen — du Spiel und Laune von einigen Nächten! Und wirklich: du willst weiter diesen Betörten Taumel und Trunkenheit predigen? Empört sich nicht etwas in dir gegen die Lüge? Betrogene Bewunderung, die wir deinem Lockenhaar zollten! Du Verkünder Gottes auf Erden — wie schal ist dein Reich.

Cherubim

(springt mit allen Zeichen des Entsetzens zurück):

Ein Aussätziger ist unter uns!

Der Freund

(mit tiefem Ernst):

Nein! Einer, der den Stachel erkannt hat. Was genießt ihr denn? Was habt ihr vollbracht? Habt ihr im Überfluß etwas Gutes oder Böses getan, das euch die Augen öffnet? Hattet ihr Tränen, wenn am Morgen nach vergeudeter Nacht ein Unglück in eurer Zeitung stand? Habt ihr einen, der euer Feind war, umgebracht? Und selbst wenn ihr die Ohnmacht alles Irdischen fühltet — war euch damit geholfen?

Was soll diese Geste, dies tönende Barock? Mir ist übel. Ihr wollt in Heiterkeit entfliegen und seid tiefer im Dreck. Das nennt ihr ein neues Programm?

von Tuchmeyer: