»Du wirst vielleicht anders denken lernen — milder ...«
»Glaubst du daran?«
»Du glaubst es selbst nicht.« Frei sahen ihre Augen. »Warum sollen wir nicht einmal nur an uns denken und nicht an die anderen? Er hat mir die Jugend gestohlen und dir schwere Verlegenheit bereitet. Warum sollen wir das nicht ändern, wenn es in unserer Kraft ist?«
Erstaunt sah er auf sein Kind.
Sie empfand seinen Blick:
»Ja, Papa, ich bin eine andere geworden — Gott sei Dank! — in letzter Stunde. Der Mensch hat nur kurze Zeit auf Erden, jeder Tag ist ein unersetzlicher Verlust, den er nicht lebt nach eigenem Gutdünken, und ich soll mein ganzes Leben verlieren? Nein,« sie stand auf, »Lecart ist für mich tot!«
»Kind,« stammelte er, »Kind, überlege es dir gut!«
»Da ist nichts zu überlegen! Schau, Papa!« sie faßte seine Hand. »Was kann ein Mädchen einem Manne mehr geben, als ich getan? Freudig hätte ich alles gelitten, hätte er nur an mich geglaubt. Du bist ja selbst meiner Meinung,« sie legte ihren Kopf an den ihres Vaters, »du glaubst nur, du hättest die Pflicht, mich zurückzuhalten, doch du bist im Irrtum. Er hat unseren ehrlichen Namen gebrandmarkt, er ist nicht besser als ein Dieb, da er dich um dein Geld betrog.«
In schwerem Groll schloß Klaus Tiedemann die Faust: »Da hast du recht.«