Zwischen Klaus Tiedemann und seinem Sohne war noch nicht viel über Lecarts Geldoperationen gesprochen worden, jeder mied das Thema. Klaus Tiedemann wollte nicht gern erinnert werden, daß er es gewesen war, der als erster, bei Clos Heirat, Lecarts teurer Verwandtschaft Vorschub geleistet hatte. Als Fred erfuhr, daß die Ordnung der Angelegenheit in Gerhards Händen läge, da lachte er spöttisch:
»Gib ihm doch gleich das ganze Geschäft, dann hat die arme Seele ihre Ruhe.« Freds Aerger hielt nicht lange an; in dem Augenblicke, da er der Wolny weiche Arme wieder an seinem Halse spürte, versank alles für ihn. Er lag hilflos in ihren Banden, und die routinierte Frau freute sich ihres vollkommenen Sieges: er war Naturbursche in der Liebe, und das naive Zugreifen und Genießen schuf dem Weibe, das durch vieler Männer Hände gegangen war, neue Abwechslung.
Sie lebte noch einmal die Genüsse ihrer Jugend und vergaß so alles andere.
Jan Wolny stand zähneknirschend vor dem Zimmer seiner Mutter; doch nie fand er den Mut, sie zu einer Aussprache zu zwingen. Er verstand seinen Vater, der aus dem Leben gegangen war, weil die feine Art des Edelmannes sich auflehnte gegen die Mißachtung der eigenen Frau.
Doch Jan Wolny trug beider Blut in seinen Adern: das verwegene Zirkusreiterblut und das der polnischen Könige. Noch ging er mit geballten Händen und fand nicht den Entschluß des Handelns ...
Leos Geburtstag war herangekommen.
Hilde wollte ihrem Vater die Aufregung ersparen, und bat Fred, einen Kranz auf dem Grabe seines Bruders niederzulegen.
Es waren die ersten Worte, welche die beiden, seit Freds Rückkehr, mitsammen sprachen.
Er zeigte auf die farbige Weste, die er trug, und sah in unverhohlenem Erstaunen drein:
»Ich? Was geht denn das mich an?«