Die fallende Ruhe des Herbstes umgab sie: ein leises Singen war in der Luft, wenn der Wind durch die Zypressen und um die Grabkreuze strich.

Sie schmiegten sich eng aneinander.

Ein paar Fuß unter der Erde, ganz nahe bei ihnen, lag alles, was noch von Leo übrig war.

Alles ließ sich erzwingen, der Widerstand gegen den Tod nicht.

Die heißeste Sehnsucht nach Liebe und Genuß, halbfertige Jugend und verfehlte Leidenschaft, Kindlichkeit und werdende Eigenart — all das lag still da drunten und zerfiel in nichts.

Klaus Tiedemann seufzte, seine Augen waren naß. Mächtig kam die Erinnerung über ihn.

Wofür hatte er gerungen, wenn das das Ende war? Wenn er selbst in seinen Kindern starb und nicht weiterlebte? Was blieb als Lebenswerk? Ein Quell des Verdienstes! Und auch der konnte versiegen, verlangte man allzuviel von ihm. Er dachte Freds.

Gleich da, rechts drüben, lag seine Frau. Wo mochte Gerhards Mutter ausruhen von ihrer Irrfahrt? Lebte sie noch — wie kam es, daß zwei Menschen überhaupt sich fremd sein konnten?

Im Grabe mußte alles verstummen, und doch ruhte der Kampf nie.

Schwere Zweifel faßten den alten Mann, er legte den Arm um Hilde. »Hätt' ich dir doch gefolgt!«