Aus großen, erschreckten Augen sah sie auf. Sie schüttelte den Kopf. »Nicht daran denken, Vater!«
Er seufzte. »Wie wird die Zukunft werden?«
Ihre Blicke glitten über die Friedhofsmauer, auf stahlharten Schienen jagte ein Zug vorbei.
Dann begann er wieder:
»Mir ist es manchmal, als hätt' ich schon einmal gelebt und wäre gestorben gewesen, lange Zeit. So manchen Gedanken, der mir jetzt kommt, hab' ich schon einmal gedacht, vor vielen Jahren. Ist er damals richtig gewesen? Ist er es heut? Es ist so schwer für etwas zu entscheiden, noch schwerer gegen etwas. Jedes Ding hat zwei Seiten. Ich war Leo ein zu schwacher Vater, vielleicht kann ich für Fred ein zu harter werden?« In inniger Liebe sah er sein Kind an. »Du mußt mir beistehen, Hilde; du bist die einzige, die wirklich zu mir hält — willst du?«
»Vater!« Sie warf sich an seinen Hals, ihre Lippen fanden sich; mit tastenden Fingern richtete er ihren Kopf in die Höhe; forschend sah er in ihre Augen: »Bin ich jetzt auf rechtem Weg?«
Sie nickte.
Noch einmal zog er sie an sich:
»Leo wird nicht allzu lange auf mich warten müssen.«
Er brach eine Ranke und verwahrte sie in der Tasche.