»Erdgeist.«

Ein blasser Bursch, halb Knabe, halb Mann, beugt sich zurück; er ist im Gesellschaftsanzug, eine verwelkte Blume zierte das Knopfloch. Mattigkeit und Erschöpfung liegen über der sitzenden Gestalt, ein Schauder scheint ihn zu fassen. Die Augen sehen müde, verträumt in fiebrigem Schimmer in die Höhe nach dem Gesicht der üppigen Frauengestalt, die, tief dekolletiert, sich über ihn neigt. Die Sphinx, die die weibliche Form des Welträtsels birgt! Alle Sinnlichkeit ist in dem Weibe konzentriert; beklemmender Geruch scheint ihren dünnen Gewändern zu entsteigen. Ihre Augen sind untermalt, in brennendem Rot schimmern ihre vollen Lippen. Wie ein leichter Hauch scheinen Linien durch, wie eine Silhouette aus einer anderen Welt zeichnet sich hinter den vollen Wangen die Kontur des Totenschädels.

Hilde tritt zurück; Leos Züge sehen ihr entgegen, verallgemeinert, doch unverkennbar.

Sie atmet tief und streckt die Hand nach Hansen.

Der steht abseits mit gesenktem Kopf.

Seine Mutter hat Hildes Bewegung bemerkt:

»Du!«

Er fährt zusammen und sieht Tränen in Hildes Augen.

»Sie sind ein großer Künstler!«

Hand in Hand stehen die beiden.