Klaus Tiedemann hat die Arme über der Brust gekreuzt. In ihm ist ein Singen und Klingen: er sieht zwei Gestalten, deren intime Details er mit seinen stumpfen Nerven nur zum Teil erkennt und bemerkt, und doch packt ihn unbewußt des Bildes Kraft; schnell verfliegt der Gedanke, ob Hansen wohl einen Käufer hat.
Er sieht den Mann, den das Weib quält und der doch nicht von ihm lassen kann. Das ist sein Leben, und das versteht er! Das ist auch das Leben Leos gewesen und ist auch vielleicht jenes von Fred. Wieder flattert die Erinnerung seiner ungestümen Jugend empor. Er ist wieder der arme Kontorschreiber, der mit scheuem Blick am Sonntag die breiten Hauptstraßen durchquert, in die er unter der Woche nie kommt. Er sieht die eleganten Damen der Gesellschaft, hört Spitzen rascheln und sieht Formen, wie sie die Weiber des Volkes, durch schwere Arbeit gedrückt, nur selten haben. Die Gier, reich zu sein, kettet ihn; kein Blick haftet auf seiner unschönen Gestalt in den dürftigen Kleidern, die abseits steht und mit brennenden Augen der strahlenden Menge folgt. Ist sein Aeußeres unausgeglichen und inkonsequent, so reihen sich doch die Gedanken in spiegelnder Kette aneinander. Zähneknirschend kehrt er in die schmutzigen Hafenstraßen zurück und setzt sich zur Arbeit; er will sie durch Kraft und Zähigkeit zwingen, ihm zu Willen zu sein. Ein bitteres Lächeln geht über Klaus Tiedemanns Züge. Keiner der Umstehenden, auch sein eigenes Kind nicht, wissen, daß er nun der zwei unglücklichen Ehen gedenkt, die sein Leben vergifteten.
Schwer holt er Atem.
Er kann es nicht überwinden, daß sie nur seinen Erfolg liebten und nicht ihn.
Er starrt in Leos Züge.
Auch der ist unterlegen, er konnte ihn nicht schützen.
Der Wolny Züge nimmt das Weib an der Wand an, und Fred sitzt auf dem Sessel.
Seine Umgebung vergessend, stampft er mit dem Fuße auf, daß er seine Art den Kindern vererben mußte! Was will er tun, wenn sie dafür Rechenschaft fordern? ...
Er wendet sich; mit gesenktem Kopfe fragt er Hansen nachdenklich und ernst: »Sie meinen das ganz allgemein, das Weib dem Manne gegenüber?« Er zeigt nach dem Bilde. »Der dort kann jeder von uns sein?«
Unsicher sieht Hansens Mutter drein.