Ein kalter Herbstwind wirft dürre Blätter an die schmutzigen Fensterscheiben.

Jan Wolny sitzt auf der Fensterbrüstung mit übereinandergeschlagenen Beinen. Weste und Kragen hat er abgelegt, den Rock nachlässig über die Schultern geworfen.

Man sieht ihm nicht an, daß er auf den Tod wartet.

Seine Augen blicken starr in stählerner Härte gegen die Tür, durch die Fred Tiedemann kommen muß.

Fürst Solt zieht langsam die Uhr und schüttelt den Kopf. »Fünf Minuten über die Zeit.« Ein feines Lächeln kräuselt für einen Augenblick seine Lippen. Die Blicke des alten Aristokraten und des jungen Mannes treffen sich verständnisvoll — es muß im Blute liegen! In solchen Augenblicken drängt sich alte Ueberlieferung der Nerven in den Vordergrund.

Die beiden Aerzte stehen bei ihren Instrumenten; sie sind in lebhafter Debatte, ob ein Schuß in die Lunge, bei der soundsovielten Rippe, tödlich sein muß oder nicht?

Laut tönen ihre Stimmen.

Jan Wolny zündet sich eine Zigarette nach der anderen an; kaum daß er ein paar Züge getan hat, läßt er sie wieder in die Lohe fallen.

Drüben, auf der anderen Seite, geht sporenklingend der Husar auf und ab, den das Regiment bestimmte, Fred Tiedemann zu sekundieren. Ungern hat er dem Befehl Folge geleistet: das waren die Kehrseiten, wenn man derlei Einjährige hatte. Doch das Regiment hielt dadurch seinen Ruf als erstes der großen Garnison. Die Reserveoffiziere von reichen Eltern fanden manchmal Spaß daran, ritterliche Tugenden zu üben.

Jan Wolnys Blick geht nach dem Pistolenkasten, auf dem hier und da die Herbstsonne spielt, wenn sie durch die dichten Wolken dringt: