Leichte, schnelle Schritte gehen ganz nahe am Fenster vorbei, sie machen halt und gehen hartklingend wieder zurück.

Ein bitteres Lächeln ist auf seinen Lippen: es mag wohl eine sein, die auch um Liebe geht.

Kalt scheint das Licht der Glühlampe auf sein zermartertes Gesicht, als er nun den Deckel hebt. Briefe fallen ihm entgegen.

Es ist die Schrift von Gerhards Mutter: alte, vergilbte, eckige Federzüge.

Sie floh und brach die Liebe um anderer Liebe willen!

Dürre Blätter liegen, halb zerrieben, zwischen den Papieren; Klaus Tiedemann weiß nicht, woher sie stammen. Er mag sie wohl von einem Spaziergang nach Hause gebracht haben, derweil die Frau an einen anderen dachte.

Zeitungsausschnitte mit rot und blau unterstrichenen Stellen zeigen Klaus Tiedemanns Erfolge; mit gierigem Blick liest er die nebensächlichen Berichte, daß ein Klaus Tiedemann in der Union-Street sein Geschäft vergrößert, daß er die Vertretung der European Company übernommen hat. Es sind Anzeigen, die er einst selbst bezahlte. Heute, in der schweren Stunde, müssen sie ihm Zeuge sein, daß ihn die Welt anerkannt hat. Daran klammert er sich fest ....

Ein schweres Kuvert mit dem Monogramm auf pergamentartigem Papier zeigt die Vermählung des Bankiers Klaus Tiedemann mit Fräulein von Wesenheim, Tochter des Konsuls Ernst von Wesenheim, Kammerrat, Börsenrat usw., in würdevollen Worten an.

Dann kommen mannigfaltige Erinnerungen an die Zeit der Kinder:

Hilde und Clo haben einen Wunsch aufgesagt; in zierlichen Worten ist er hier niedergeschrieben; man merkt nicht die vielen Püffe der Erzieherin, bis endlich die kleinen Köpfe die Worte faßten. Klaus Tiedemann war stets tief gerührt und hatte in seiner bescheidenen, scheuen Art die Leistungen weit überschätzt.