Unbeholfene Zeichnungen aus Fetzen Papieres finden seine tastenden Hände: Indianer zu Pferde und Engel mit schlagenden Flügeln! Der kleine Fred hat sie gezeichnet. Ein weher Laut zittert von seinen Lippen. Klaus Tiedemann legt den Kopf auf die Tischplatte; endlich kommen die erlösenden Tränen:
Warum ist das Leben so hart?
Sie waren alle so liebe, so herzige Kinder, die von den Häßlichkeiten der Welt nichts wußten. Und nun ein Betrüger!
»Er ist es.« Laut ruft Klaus Tiedemann die Worte, daß er selbst scheu zusammenfährt.
Warum wäre er sonst geflohen? Warum hat er Geld unterschlagen? Warum hat er nicht seiner Geschwister gedacht?
Das Kind seiner Zeit!
Rücksichtslos, Altes verachtend, nur dem Genuß lebend, das Leben sich leicht machend, das Geld als Hauptmittel ansehend, um etwas zu erreichen. Schwer stöhnt Klaus Tiedemann auf:
Er selbst hat ihm den Weg gewiesen, hat aus Liebe und Nachgiebigkeit die häßlichen Züge nicht im Keime erstickt. Das Geld hat höhere Werte als die der Bequemlichkeit. Es legt Verpflichtungen auf, die schwer zu erfüllen sind. Nur der Erwerb bringt Freude, nicht der Besitz. Der Mensch muß weiter streben, darf nicht halten und nicht rasten! Ganz soll er leben! Nicht scheu nach anderen fragen; aufrechten Blickes gehen; soll das aussprechen, was er denkt, nicht das, was andere wollen!
So war er als Kaufmann gewesen, nicht so als Mensch! Klaus Tiedemann hat sich nach der Meinung der Leute gerichtet, um deren Liebe zu erwerben.
Das ist der schwere Irrtum seines Lebens.