»Ganz richtig«, sagte Leo, den es gar nichts anging. Hilde schwieg und beugte sich tief über ihre Arbeit.
»Es wird ihm selbst so lieber sein«, tröstete der alte Tiedemann eine Regung in seinem Innern. Dann atmete er gleich wieder schwer: »Das ist bei Gerhard etwas ganz anderes, der trägt unseren Namen.«
»Du willst Gerhard bei uns haben?« Aus Freds Frage klang Ueberraschung und Ungeduld. »Ja, sage mir nur, aus welchem Grunde?«
»Ich denke wohl? Was würden denn die Leute sagen, wenn ich es nicht täte; sie tratschen ohnehin genug, daß er nicht bei uns wohnt! Er ist doch mein Sohn.«
»Nun ja; aber eben — aus deiner ersten Ehe!«
Unsicher blickte der Alte um sich. Scheue und herannahender Unwille kämpften in ihm. Er spreizte die Daumen gegeneinander und sah mit schiefem Kopf zu Fred hinüber; in ihm war die Erinnerung an gestern: »Laß das«, grollte es aus ihm. »Genug, daß er mein Kind ist. Er hat das Recht, dasselbe zu verlangen wie ihr.«
»Du sprichst doch nicht im Ernst, Papa?«
Fred lief mit langen Schritten im Zimmer herum.
»Setze dich her!« des alten Tiedemanns Stimme gewann Schärfe, »laß das Räsonieren! Er ist mein Sohn und hat bis heute bei Gott noch nicht zu viel Anspruch darauf erhoben! Ich habe ihn zwanzig Jahre nicht gesehen. Bon! Mutter hat er nicht gekannt ...« des alten Mannes Rede begann zu hasten, »sie ist gleich nach seiner Geburt gestorben, und ich bin herüber nach Europa und bin hier geblieben. Er hat von mir nur gewußt, daß ich sein Vater sein muß, weil ich denselben Namen habe und ihm Geld schicke. Er ist mir fremd, ich hab' euch lieber als ihn, aber er bleibt mein Kind.«
»Gut!« Fred schlug mit zynischem Lächeln die Hand auf den Tisch. »Gut, daß Mama tot ist.«