Die Zornesader schwoll auf des Alten Stirn.

»Fred«, sagte Hilde mahnend, und auch Leo, der von seinem üblichen Halbschlummer aufgewacht war, winkte dem Bruder ab. Doch der war viel zu zornig, um es zu bemerken:

»Da willst du Gerhard wohl auch einmal in die Firma aufnehmen, ihn vielleicht gar zu meinem Mitchef machen?« fragte er herausfordernd.

»Und wen würde das kümmern?«

Für einen Augenblick zögerte Fred mit der Antwort: er kannte den Vater von dieser Seite nicht; dann brach er los: »Nun, hörst du, Papa, das übersteigt alles Erdenkliche! Das hätten Mama oder ihre Verwandten erfahren sollen! Sie hätten nie eingewilligt, daß Gerhard zu uns kommt; das sind die Folgen ...«

Eine tiefe Falte zog sich um des alten Tiedemanns Mund. »Wer hat die Firma Klaus Tiedemann gegründet und hochgebracht?« fragte er. »Deine Mutter oder ich? Wer hat mir dabei geholfen? Die Wesenheims vielleicht? Die haben mir nicht das Leben vergönnt! Wie ein Hund hätte ich zugrunde gehen können, sie hätten nicht die Hand gerührt. Erst als ich ihnen Stück für Stück ihren Boden entrissen hatte und der Bankerott unausbleiblich war, dann waren sie umgestimmt. Dann durfte ich sogar die Tochter heiraten ...« Fred stand auf.

»Papa! Kein Ehrenmann spricht so über seine Frau, am wenigsten vor seinen Kindern. Wenn du so zu sprechen fortfährst, muß ich das Zimmer verlassen.«

Erschreckt und verlegen hielt sein Vater inne. War er zu weit gegangen? Die Unsicherheit seiner niederen Geburt nahm ihn oft gefangen seinem eigenen Kinde gegenüber. Fred kannte sich in solchen Sachen aus! Gewiß war ihm wieder der Zorn durchgegangen; er wollte ja niemandem unrecht tun; gerade darum hatte er ja so gesprochen! Es war ja auch nur zur Hälfte seine Ueberzeugung, was er über Gerhard gesagt hatte, aber es war durch Freds Widerspruch etwas in ihm aufgerührt worden, das von seiner hart durchlebten Jugend in ihm zurückgeblieben war als eiterndes Geschwür. Er suchte einzulenken:

»Für diesmal müssen wir Gerhard wohl einladen. Wer weiß, ob er kommt, und wegen dem anderen, Fred,« er blickte seinen Sohn begütigend an, »laß dir keine grauen Haare wachsen, du kommst gewiß nicht zu kurz; meinst du nicht selber?«

Fred nickte, er konnte nur schwer ein befriedigtes Lächeln verbergen: