»Daran ist doch nicht zu zweifeln. Die disponible Ware ist in festen Händen und wird nicht abgegeben, weil die Eigner sich den Sommerbedarf sichern wollen, die Zufuhr mangelt. Nach der letzten Notierung ist«, er griff nach dem Börsenblatt und klemmte das Monokel ein, »jetzt bereits gegen den niedrigsten Preisstand des Vorjahres eine Steigerung von 7,80 zu verzeichnen.« Auf Lecarts bleichem hageren Gesichte begannen zwei rote Flecken zu brennen: »Wenn ich die Mansbergschen Fabriken übernähme; in zwei Tagen habe ich sie in vollem Betrieb, dann schmeiß' ich in kurzer Zeit so viel Ware auf den Markt, daß sie mir, bei den hohen Preisen, enormen Gewinn bringen muß.«

»Du drückst dir aber dann doch selbst die Preise herunter durch forcierte Abgaben!«

»Bis es so weit ist, habe ich meine Sache im Trocknen.« Immer eindringlicher und überredender wurden Lecarts Worte: »Es muß dir doch einleuchten, daß an der chose keine Gefahr, sondern nur Gewinn zu finden ist!« Wieder stand der abweisende Zug um seinen schmalen Mund, während sich seine hagere Gestalt weit vorneigte und die kalten schmalen Finger nach Freds fleischiger Hand griffen: »Schlag ein, wir haben beide Nutzen und die anderen haben das Nachsehen; sie sollen spüren, daß mit den Lecarts und Tiedemanns nicht leicht zu kämpfen ist ...« Er fuhr halb in die Höhe und grüßte einen vorübergehenden Offizier: »Mein Kompliment Durchlaucht.«

Auch Fred war instinktiv aufgefahren und hatte sich verneigt. Dunkelrot war er im Gesicht geworden.

»Kennst du ihn?« war seine Frage.

»Selbstverständlich: intim.«

»Du mußt mich vorstellen!«

»Gern! Schwager was ist's? Einverstanden?«

Freds Widerstand war gebrochen, Lecart hätte ihn für seine Pläne an keiner Stelle so leicht gewinnen können wie hier im Klub, wo Fred Tiedemann um Gleichberechtigung rang, die ihm nur schwer seines Vaters Geld verschaffte. Er nickte und besah die spiegelnde Spitze seines Lackschuhes:

»Jawohl, aber ich verlasse mich ganz auf dich! Ich habe keine Zeit, mich näher zu informieren. Du hast die Verantwortung.«