»Auf dem Platze vom Pfeiffer sitzt jetzt auch ein Junger.«
»Der Pfeiffer ist in Pension gegangen.« Wieder hüstelte Görnemann, um nicht sagen zu müssen, daß es den alten Mann viel Tränen gekostet habe, bis er seinen Sessel, den er dreißig Jahre gedrückt, hatte verlassen müssen; aber mit dem jungen Chef ging es nimmer! Der nahm ihm die Handkasse weg und degradierte ihn zum Schreiber. Das ertrug sein Ehrgefühl nicht.
»Hat mein Sohn die Pensionsfrage gelöst?«
»Nein, es wird noch immer fallweise bestimmt, was jeder bekommt.«
»Aber er gibt jedem von meinen alten Mitarbeitern Pension?«
Leise Angst und Besorgnis klang in der Frage. »Ja, aber es ist sehr wenig.«
»Das will ich nicht; da muß ich heute gleich mit Fred sprechen.«
Görnemann trat von einem Fuß auf den anderen; er schien in großer Aufregung; dann sagte er stockend: »Ich habe schon oft daran gedacht, mich zurückzuziehen,« wieder ließ er seine Gelenke krachen; »man hat doch seine 68 Jahre auf dem Rücken, und da wird einem das Arbeiten manchmal schwer.«
»Nichts da,« Klaus Tiedemann legte seinem ehemaligen Angestellten die Hand auf die Schulter, »davon reden wir in ein paar Jahren, das gibt's jetzt noch nicht.« Mit gutmütiger Barschheit suchte er dem anderen seine Gedanken auszureden. »Ein Mann wie Sie, ohne Frau und Kind, was soll denn der machen ohne Geschäft? Ist's mir nicht leicht gefallen, das Auf-der-faulen-Haut-liegen, was wollen denn erst Sie anfangen?«
»Ist schon wahr, Herr Tiedemann, aber ein alter Kopf kann heutzutage oft nimmer mit.«