Sie tat alles mit einer langsamen, eleganten Ruhe der Bewegung, die über ihrem ganzen Wesen lag und alles Leben und unmittelbare Empfinden verschleierte. So hatte es ihre Mutter gewollt, und so kam sie am besten mit ihrem Manne aus. Der hatte ein fahriges Temperament und steckte immer tief in eigenen Angelegenheiten, die ihm für sie wenig Zeit ließen. Sie hatte sich einen Wall aus Ruhe und Takt gebildet, der sie vor vielerlei schützte.
Lecart rieb die Hände:
»Ich habe jetzt furchtbar viel zu tun. Ueberall Unannehmlichkeiten. Die Kerls streiken mir wieder zur Abwechslung. Der Betrieb in den Gruben steht seit einer Woche still.«
Der Alte schüttelte den Kopf. »Immer nur Forderungen und keine Gegenleistung, das ist so recht neumodisch.«
»Nun, nein; die Leute haben ein Stück recht, aber,« Lecarts markiertes Gesicht belebte sich, die eingefallenen Wangen bekamen Farbe, »warum soll man ihnen das zugeben, wenn man selbst nur Schaden davon hat?«
»Wenn sie im Rechte sind, werden sie ihr Ziel erreichen«, sagte der andere bedächtig.
»Wir werden sehen. Einstweilen haben wir uns organisiert und sie im ganzen Bezirk ausgesperrt; es sind schon viele in der einen Woche mürbe geworden; mehr als ich brauchen kann. Wenn sie für Weib und Kind nichts zu fressen haben, dann kriechen sie zu Kreuze. Am Montag fange ich wieder mit vollem Betrieb an.«
»Du sagst doch, daß ihr sie ausgesperrt habt?«
»Ja, aber ich brauch' doch nur so lange mitzumachen, als ich will.«
Klaus Tiedemann schüttelte unwillig den Kopf: »Ihr müßt doch einig sein, wenn ihr 'was erreichen wollt. Die anderen sind's auch.«