»Hast du auch mal so empfunden, wie ich? Warst du auch so ungeschickt, Papa?«
»Ja«, mit einem Seufzer kam die Antwort. Tiedemann nickte in Gedanken versunken mit dem Kopfe vor sich hin. »Ich hab' auch geglaubt, jeder Tag müßte mir ein Wunder bringen, und doch habe ich nie eines gesehen. Die Menschen können nicht anders als gemein sein; sie können nichts dafür. Wir sind es selber auch.« Er raffte sich zusammen ... »Das hat jeder mehr oder weniger mitgemacht, der im Leben 'was erreichen wollte; aber glaube mir, es gibt nur eines, was dagegen hilft, und auch nur eines, was wirkliche Freude und Befriedigung gibt: die Arbeit.«
Leos Augen leuchteten auf, »Das hab' ich mir auch schon gedacht, aber ich habe ja keine,« seine Stimme schlug um; »die Schule, das ist doch keine Arbeit, wie du sie meinst, und sonst hab' ich keine!«
»Wird noch genug kommen.«
»Aber wann, Papa? Jetzt möcht' ich sie haben, damit ich etwas bin. Ich weiß nicht einmal, was ich werden soll und bin schon bald neunzehn.« Tiedemann sah zu Boden:
»Ich weiß heute noch nicht, was ich geworden bin ...«
Leo überhörte in seiner Erregung den traurigen Klang in der Stimme seines Vaters.
»Fred hat das Geschäft, Clo hat ihren Mann, Hilde wird auch bald einen haben, und nur ich weiß nicht, was aus mir wird — ich steh' ganz allein.«
»Mancher Mensch ist am glücklichsten, wenn er allein ist.«
»Ihr anderen seid aber doch alle zufrieden?«