Ruhe überflog den Saal, mit den ersten Tönen brach Beethovens Genius die Kleinlichkeit der Menschen und nahm sie gefangen.
Mit eiserner Hand pochte an aller Herz der Kampf der Seele gegen feindliche Gewalten und ließ sie zittern.
Das Glück lächelt und winkt, und das Schicksal wirft sich dazwischen. In wilder Gewalt brüllten die Töne und flehten und baten in heißem Sehnen.
Aufrichten, Hoffen, Verschwinden und Suchen waren des Menschen ewiges Vermächtnis ...
Klaus Tiedemann verstand nichts von Kunst und hatte auch nie darauf Anspruch erhoben, aber als die Töne auf ihn eindrangen, kam eine sonderbare Stimmung über ihn: Vielleicht war er heute zugänglicher, weil er in dem Gespräche mit Leo alte Erinnerungen geweckt, die er lange schon tot gemeint hatte! Seine Kindheit stand plötzlich vor ihm:
Der trunkene Vater schalt sein abgehärmtes Weib, weil er das Geld nicht geben wollte, das sie fürs Leben brauchten. Und daneben saß der Knabe, in Lumpen, und träumte von Geld und Glück, denn ohne Geld konnte es keines geben. Der Vater starb, der Sohn stemmte sich im wilden Trotz dem Leben entgegen, in offenem Kampfe wollte er es bestehen; doch es schlug ihm Wunden auf Wunden. Bald stand er allein. Dann schien Glück zu lächeln, er fand ein Weib. Gemeinsam trugen sie die Mühen leichter. Gerhard wurde geboren. Nun wußte er, wofür er stritt ... Seine Kraft verdoppelte sich. Erfolg kam auf Erfolg. Klaus Tiedemann stieg hoch.
Hornruf riß ihn empor.
Die Welt stand freudlos vor ihm, und die Instrumente schwiegen:
Er fuhr zusammen, als täten ihm all die Hände weh, die in die Stimmung schlugen und damit Beifall zeugten.
Lange dröhnte der Applaus.