Mit matter Handbewegung klatschte Fred: »Die Behrens sind vorn in der Loge«, sagte er nachlässig zu seinem Vater. »Du mußt sie grüßen.«

»Der erste Satz war prächtig,« Leo winkte mit dem Programm seiner Schwester zu, »nur etwas zu langsam.«

Hilde nickte, kaum bewußt, daß man zu ihr gesprochen. Die Stimmen schwirrten um sie und banden sie an die Wirklichkeit. Das Orchester setzte ein. In wildem Rasen nahm das Kunstwerk sie weiter gefangen, alles versank hinter ihr.

Der Taumel konnte betäuben, nicht täuschen über den Ernst! Das war es, was sie oft empfand, daheim, wenn sich die Ihren anders gaben, als sie waren. Bequem war es, doch es mußte sich rächen! Derbes Behagen und Selbstzufriedenheit gaben nimmer Erfolg. Vater mußte die Fehler seiner Söhne sehen und sich ihrer bewußt werden.

Ihre Blicke flogen zu ihm. Seine Gedanken gingen ähnlichen Gang:

Sollte das rastlose Suchen und Mühen nach dem Glück, das ihn zeitlebens geleitet hatte, sein Ende finden in enger Begrenzung? So dachte er damals, als er, zurückgekehrt auf Heimaterde, sein Werk, jetzt Freds Werk, geschaffen hatte. Sollte er einsam bleiben, zufrieden mit dem Besitz? Er sehnte sich wieder nach Heimat im wirbelnden Trubel des Lebens, sein Herz verlangte Liebe, und die gab die Familie! Familie? Er brauchte zu wählen. Wie klein waren die Menschen, die ihm nun ruhig ihr Kind gaben, weil er reich geworden war! Die Kinder kamen, doch nicht das erhoffte Glück. Als er es besessen hatte, in den wenigen, kurzen Jahren seiner ersten Ehe, da hatte er sich nach dem lärmenden Erfolg gesehnt; da war das Glück zerbrochen. Nun verließ ihn nicht mehr der Erfolg, doch das Glück kam nimmer! Er wurde einsam in seiner großen Familie.

Mit starren Augen blickte Tiedemann vor sich nieder. Warum? ... Warum?

Beifall hatte zweimal um ihn geklungen, er hatte sich nicht gerührt. Seine Kinder sprachen, er gab keine Antwort:

Freude klang aus Instrumenten und Stimmen!

Freude war ihm nie beschieden gewesen.