Hilde gab einsilbige Antworten.
Hansen ging vorüber, im Gespräch mit Leo; sein Blick streifte sie, flüchtig und zufällig; es tat ihr weh. Abseits stand Fürst Solt und redete mit Jan Wolny. Die schmale Gestalt Wolnys hing vornüber, der kleingestutzte, schwarze Schnurrbart gab dem Gesicht einen älteren Ausdruck.
»Sie wollen sich jedenfalls, wie Ihr seliger Herr Papa, dem öffentlichen Dienste widmen?«
»Vielleicht, Durchlaucht, — einstweilen studiere ich Rechtswissenschaft.«
»Und interessiert Sie Ihr Fach?«
Jan Wolny zog die dunklen Brauen zusammen. Er antwortete langsam:
»Gewiß, Durchlaucht, es hat für mich etwas sehr Ansprechendes, aus erster Quelle das kennenzulernen, nach dem die gesamte Menschheit sich richten muß. Sie fügt sich seit Jahrtausenden, und doch ist es auch nur menschlicher Wille, vor dem sie sich beugt. Man schuf sich eine Richtschnur, weil man sich der eigenen Schwäche bewußt war. Wer heutzutage stärker wäre und nach eigenem Gesetz handelte, er wäre der erste, der nach dem Mittel der Schwäche seiner Vorfahren gerichtet würde. Das ist das Rätselhafte am menschlichen Recht und Gesetz.«
Mit langem Blick sah ihn Fürst Solt an.
Olthoff segelte steuerlos hin und her, um ein Gespräch dauernd im Gange zu halten:
»Sagen Sie, Fräulein Hilde, zu wessen Gunsten wird eigentlich das Reinerträgnis verwendet?«