»Durchaus nicht, Frau Baronin —« Tiedemann wischte sich mit der Serviette eifrig den Mund. »Durchaus nicht, die Leute sind wirklich gezwungen, ein Leben wie die Hunde zu führen.«
»Also doch, das ist mir interessant zu hören!«
Klaus Tiedemann kam in Hitze:
»Das ist das fürchterliche, daß die meisten gar nicht wissen, wie schlecht es ihren Arbeitern geht!« Lecart hob den Kopf. »Nicht genug daß die Eltern verkommen und sich dem Trunk ergeben, die Kinder, für die sonst jeder alles tut, werden krank und leiden daran ihr Leben lang ...« Er rückte zur Seite, um »Sole d'Ostende à la Joinville« servieren zu lassen, dann fuhr er fort, die eigene Kindheit ward in ihm rege:
»Man muß wissen, wie die Kinder untergebracht sind: mit den Eltern oft zu fünft und noch mehr in einem kleinen, schlecht gelüfteten Raum, der auf einen engen Lichthof mündet, in den nicht mal die elende Großstadtluft dringen kann.« Er nickte aufgeregt mit dem Kopfe. »Was sie da sehen und hören, wenn sie älter werden und der Vater betrunken nach Hause kommt!! Dann wundert man sich über die moralische Verkommenheit. Mein Gott, was man von klein auf gesehen und mitgemacht hat, wird einem zur Gewohnheit. Ich kann darüber sprechen, denn ich ...« Fred Tiedemann sah seinen Vater fest an, dem ging stets das Herz in solchen Dingen über, »... denn ich«, fuhr Tiedemann unsicher fort ... »habe mich stets um meine Arbeiter gekümmert.«
Er schwieg, Lecart sagte zu Brunn-Bennigsen, seiner Nachbarin: »So arg ist's nicht, mein Schwiegerpapa übertreibt gern.«
Jan Wolny, der neben Clo saß, schüttelte den Kopf. »Wenn es wirklich so ist, dann sollten wir uns schämen und, statt ein Fest zu veranstalten, das ganze Geld den Armen geben.«
»Es kommt ohnehin auf eins heraus.« Clo wendete ihm den Kopf zu, daß die Brillanten farbige Pfeile schossen. »Wenn wir eine Unterhaltung geben, so haben wir und die Armen etwas davon und sonst nur die allein.«
Jan gab keine Antwort.
Das Mahl ging weiter, Gang folgte auf Gang. Beim Champagner, Lecart hatte mit Vergnügen zu seinem Gegenüber »G. H. Mumm extra dry« bemerkt, erhob sich Fred, zu kurzer Rede: