»Bitte.«

Er wendete sich lächelnd zu Klaus Tiedemann: »Nun bin ich Ihnen für Ihre liebenswürdige Einladung noch mehr verbunden. Ich hätte mir nie träumen lassen, bei Ihnen heute über Indien, das Land meiner Sehnsucht, sprechen zu können.«

In Klaus Tiedemann regte sich abermals Vaterstolz; doch seine Umgebung ließ ihn dessen nicht froh werden, etwas wie beleidigte Eitelkeit klang in seiner Antwort: »Auch ich, Durchlaucht, kenne das Land, doch bin ich nur auf kürzere Zeit hingekommen.«

»Köstlich.« Mit leisen Worten wendete sich Fürst Solt an Hilde: »Wer ist der Herr, der mir vorhin zu Hilfe kam?«

Einen Augenblick zögerte sie mit der Antwort; sie schien auch von der allgemeinen Scheu ihrer Familie, Gerhard zu ihnen rechnen zu müssen, ergriffen; dann warf sie den Kopf unwillig zurück: »Es ist mein Stiefbruder, Durchlaucht, meines Vaters Sohn aus erster Ehe«, sagte sie.

»Ihr Herr Vater war zweimal verheiratet? Das wußte ich nicht.« Interessiert sah Solt auf Gerhard. »Es ist große Aehnlichkeit zwischen ihm und seinem Vater, viel mehr, als Sie alle mit ihm haben.«

»Ich weiß.«

Klaus Tiedemann hatte mit scharfen Ohren das leise geführte Gespräch vernommen; er senkte den Kopf. Es kränkte ihn, daß seine Kinder aus zweiter Ehe ihm so wenig ähnlich waren; das Wesenheimsche Blut war stärker gewesen als sein eigenes. Er preßte die Zähne aufeinander; sie hatten ihm seine Art zerbrochen und ihn zu ihrem willfährigen Diener gemacht, der Geld verdiente. Das vergaß er ihnen nicht! Er zwang sich zu anderem Denken: Wozu holte er dies alles wieder aus der Vergessenheit hervor, wo ihn seine Kinder doch liebten und an ihm hingen in Treue? Nun war doch alles gut.

Leo strich an Hilde vorüber und flüsterte:

»Fred läßt dir sagen, du solltest endlich die Tafel aufheben.« Fred Tiedemann taugte das Gespräch nicht; wenn Papa und dieser Plebejer, der sich sein Bruder nennen durfte, zu sprechen anfingen, war es besser, Schluß zu machen; sonst konnten unangenehme Enthüllungen vorkommen. Was ging die Leute die Geschichte Tiedemanns an?