»Da kann Leo nichts dafür ...« Sie schwieg in heißer Verlegenheit.
»Ich weiß,« er suchte ihr die unangenehme Antwort abzunehmen, »ich weiß, daß er nichts dafür kann, aber trotzdem: er war einer, der an mich glaubte, wenn er auch noch ein Kind war; es tut immer weh, Anhänger zu verlieren, wenn man wenige hat.« Er sah ihr fest in die Augen. »Ueberhaupt, es ist so vieles bei Ihnen anders geworden.«
»Sie dürfen von Papa nicht schlecht denken.«
»Das tue ich nicht, Fräulein Hilde; sonst würde ich nicht darüber sprechen; aber leid ist mir um ihn, daß er sich so beeinflussen läßt und nicht sieht, wohin das führt. Warum zieht er solche Leute ins Haus,« seine Stimme klang aufgeregt, »wie den Olthoff, dem die Spekulation auf Sie ins Gesicht geschrieben steht, die Wolny, die stadtbekannt ist wegen ihres Lebens, und noch viele andere?«
Sie war blutrot geworden: »Was sollen die Leute schaden, wenn nur wir stark bleiben?«
Er sah sie mit forschenden Blicken an: »Wenn! Wir? Wer sagt, daß Sie's bleiben? Ihre Schwester hat Lecart geheiratet, trotzdem ich jemanden kenne, der heute noch für sie stirbt.« Sie lenkte ab.
»Sie verkehren noch mit Gröden?«
»Wir sind jeden Tag beisammen; er hat Karriere gemacht und hat es noch immer nicht vergessen, daß er Klaus Tiedemanns Schwiegersohn nicht werden konnte, weil er ein armer Architekt war.«
Hilde seufzte. »Daran war Mama schuld.«
Sie schwiegen.