Ihre Blicke hingen ineinander.

Dann sagte Hilde: »Was macht Ihre große Arbeit?« Er senkte den Kopf und gab keine Antwort. Sie sprach weiter: »Sie haben mir versprochen, damals, als wir das erstemal uns näher traten: Sie wollten ein Werk schaffen, das zeigen sollte, daß Sie mehr könnten als die anderen.« In herber Enttäuschung schüttelte sie den Kopf. »Ich habe so darauf gewartet, von Tag zu Tag, und nun? ...« Ihre Stimme verhallte.

T. A. Hansen saß regungslos; dann sah er auf. In seinen grauen Augen glimmte ein Funke. »Ich hab' nicht gewußt, daß Sie darauf warten.« Seine Stimme gewann an Festigkeit. »Sie dürfen nicht schlecht von mir denken, Hilde, nur das nicht. Ich kann eben kein Beamter der Kunst sein. Es wird so viel geschaffen, um das sich niemand kümmert, daß es einem um sein Werk leid sein kann. Die Handwerker in meinem Fach sind im Vorteil. Sie malen Porträts von reichen Leuten und leiten davon ihr Selbstvertrauen her; sie werden dadurch »bekannt«. Ich habe durchgekämpfte Stunden künstlerischen Zweifels, die anderen haben Geld und Konnexionen. Was gilt in den Augen der Welt mehr?«

»In meinen Augen — das Ihre.«

Er atmete aus voller Brust und bohrte den Blick in ihr erregtes Gesicht, als müsse er sich dort Mut holen.

Dann sagte er: »So will ich's wagen — aber Sie dürfen mir nichts verschweigen, Hilde, ja, nichts? Sonst ist's Verrat an mir selbst.«

»Ich habe nichts zu verschweigen. Ich habe nur den Willen, daß Sie mit Ihren reichen Mitteln den anderen zeigen, was Sie können, dann bin ich belohnt.«

Seine Hand umspannte krampfhaft die ihre; mit fester Stimme sagte er: »Sie sollen nicht getäuscht werden, aber ich muß voll an Sie glauben und muß von Ihnen das Recht haben, zu jeder Stunde meiner Arbeit an Sie denken zu dürfen. Darf ich das, Hilde?«

Sie nickte mit feuchtem Blick: »Ja, Hansen, das dürfen Sie, und ich will's auch tun.«

»Nun hab' ich Riesenkraft ...«