Hansen sah prüfend über die kauflustige Menge, die sich noch immer zwischen dem Musikpavillon und den Verkaufsständen drängte und schob. Er schüttelte den Kopf. »Bevor die nicht alles gesehen und betastet haben, ist an ein Ende nicht zu denken.« Er zuckte die Achseln. »Ein Händedruck von einer Dame der Gesellschaft um teueres Geld kommt den Leuten als überirdisch vor, das müssen Sie bedenken Herr Baron.«
Jan Wolny seufzte. »Mir ist das alles ekelhaft.«
Hansen sah den Sprechenden scharf an:
»Wirklich? Dann müssen Sie mir die Hand geben ...« Hansen fuhr herum; seine Schulter war berührt worden. Es war Hilde Tiedemann.
»Wie geht es?« Aufrichtige Freude über die paar Minuten, die sie nun beisammen sein konnten, sprach aus ihrem schönen Gesicht. »Was macht Ihre Arbeit?«
Hansen drückte die kleine Hand, welche in sein Leben eingegriffen hatte: »Es geht vorwärts!«
Ihre leuchtenden Blicke trafen sich ...
Jan Wolny hatte sich diskret entfernt und war die Avenue hinuntergebummelt, an seiner Mutter vorüber, die hier mit Fred Tiedemann die Honneurs machte. Seitwärts stand das Mondschifflein, auf dem Frau Luna am Festzug teilgenommen hatte. Fred Tiedemann war der Anführer der reisigen Schar gewesen, die sie beschützte. Mit forschendem Blicke hinter den gesenkten Wimpern beobachtete Jan seine Mutter und den anderen, der so selbstverständlich tat. Er preßte die Zähne aufeinander und ging weiter. Wenige Schritte später traf er Fürst Solt. Der war im Frack, mit einem Riesenorden, welcher die ganze Brust bedeckte, als Monddiplomat. Sie grüßten sich und sprachen ein paar verbindliche Worte.
Klaus Tiedemann sah Clo zu, wie sie die wenigen noch durstigen Herren bediente; in den Zwischenräumen, wenn der Champagnerpavillon leer war, plauderten sie. Jetzt, als sie Jan Wolny anrief, schloß er die vom Staube entzündeten Augen, die ihn schmerzten, und lehnte sich bequem in den Rohrsessel zurück: All die entblößten Frauenschultern, die runden Arme und zierlichen Füßchen in durchbrochenen Strümpfen und verschwiegenem Spitzengeräusch waren eingetreten für die Armut des Nächsten. Gab es größere Aufopferung? Brunn-Bennigsens Mann saß zu Hause bei den drei Kindern; den Tag über plagte er sich im Bureau. Er war klein und häßlich; sie gingen nie gemeinsam in Gesellschaft. Klaus Tiedemann hatte ähnliches ertragen. In ohnmächtigem Aerger hatten oft seine Zähne aufeinandergeknirscht, wenn sein jähes Temperament Liebe verlangte. Nicht umsonst trugen die Kinder sein heißes Blut in ihren Adern. Es waren lange Kämpfe gewesen, bis er mit sich ins reine kam und durch Arbeit zur Ruhe zu kommen suchte. Davon war der Haß geblieben gegen das Weib. Die Jahre ebbten alles, und die Männlichkeit schwand. Er seufzte und hatte Sehnsucht nach Ruhe.
Leo hatte vielleicht das beste Los unfreiwillig gezogen, der hatte jetzt schon bald ausgeschlafen.