»Hilde!« Sie gab keine Antwort. Die ganze Verzweiflung seiner Lage und der Aerger über die lächerliche Komödie, die er hier zu spielen gezwungen war, überkamen ihn. »Sagen Sie, Fräulein Hilde, merken Sie nicht meine ehrliche Sympathie?«
Sie schüttelte den Kopf und fand keine Antwort, nur ihr Arm schmerzte, den Olthoff nicht freigab.
»Nun?« Mit funkelnden Augen sah er sie an. Den ganzen Abend hatte er auf diesen Augenblick gewartet, er mußte bald zum Ende kommen, sonst hieß es den bunten Rock ausziehen, der ekligen Gläubiger wegen. Er war nicht der Mann, der mit sich spaßen ließ; die anderen Tiedemanns wußte er hinter sich. Sein Name wog viel auf. Dies schwache Geschöpf sollte seine Pläne nicht mutwillig kreuzen.
»Antworten Sie mir doch!« seine Stimme, wider Willen, klang roh, sein verlebtes Gesicht bekam einen brutalen Ausdruck. »Können Sie mich denn nicht ein wenig gern haben?« Der Inhalt der Worte stach hart ab von dem drohenden Ton, in dem er zu ihr sprach.
Hilde warf den Kopf zurück; sie war bleich bis in die Lippen geworden: »Nun haben Sie ihre Art gezeigt«, sagte sie stolz.
»Verzeihung, ich bin überreizt, und Sie taten mir bitter unrecht.« Seine Stimme klang hastig, als wollte er kein Mittel unversucht lassen.
Sie gab nimmer Antwort.
»Fräulein Hilde!« Wut und Verzweiflung klangen zusammen. Sie wandte sich ab, Jan Wolny zu: »Bitte, führen Sie mich zu meiner Schwester, Herr Baron!« Jan Wolny verneigte sich und bot ihr wortlos den Arm.
Olthoff blieb stehen.
Nun war die Schlacht verloren.