Betreten, voller Scham, senkte ich die Lider. Für einen flüchtigen Augenblick wogte auch in meinem Herzen das Blut meines Stammes, das in jenen Adern so stark und feurig rann; dann zerstob die Begeisterung wie Schaum. Wäre ich je in meinem Verzicht wankend geworden, diese Begegnung hätte mich gestützt, denn ich fühlte, Land und Volk verloren nichts an mir, ich war ein Rohr im Wind. Säße jener an meiner Statt – bestürzt schaute ich auf und begegnete seinen Augen, die wie Falken auf meine Seele stießen und kein Geheimnis kannten.

Ein Spiel Gottes, ja, ein Spiel Gottes, und das Unmögliche ward Tat. Wortlos riß ich die Kleider von meinem Leibe, alles, Schuhe und Hemd; warfs ihm vor die Füße:

»Da liegt dein Herzogtum, wenn du Mut hast, Brüderchen!«

Eine unbändige Lust ergriff mich nackten Mann plötzlich, eine Erlösung aus Nacht und Tod. Ich weitete die Arme und riß ihn, der ohne Regung schien, an meine Brust und küßte ihn.

»Bruder, wags! Keiner wird dessen gewahr, dafür bürg ich; Gott selbst, am Auferstehungstag, wird seine Mühe haben.«

Langsam lösten sich seine starren Züge, er leuchtete beschenkt, beglückt und erwiderte scheu und flüchtig meinen Kuß. Aber seine Freude schien nicht sonder Kummer, seine Selbstsicherheit schwankte angesichts der Entscheidung, die Schultern beugten sich unter unsichtbaren Lasten. Er entledigte sich des wenigen Tuches, zog das grobe Leinenhemd über den Kopf und knüpfte eine Münze vom Halse. Dann verglich er unsere Leiber aufmerksam; auch mich ergriff eine harmlose Neugier, aber ich entdeckte keinerlei Verschiedenheit; nur daß er ein wenig kleiner schien, doch mein Körper hatte sich im Schlaf gestreckt, indes er wachte. Er deutete fragend auf ein braunes dreigespaltenes Mal unter meinem Herzen.

»Ein Zeichen unseres Geschlechts,« sagte ich gedankenlos; er senkte die Lider und errötete unruhig und gequält. Ich begriff ihn nicht sogleich, dann lachte ich auf und erklärte:

»Von den Trebilons, von der Mutterseite hab ichs – der Vater konnte dir das nicht auch noch mit auf den Weg geben. Des achtet keiner.«

Er schüttelte nachdenklich den Kopf und fuhr in meine Kleider, indes ich zwischen Befriedigung und Schmerz mich einklosterte, und als er in dem schmucken Wams dastand, waren ihm Unruhe und Schwere verflogen, seine Augen schauten fest und sicher, um seine Lippen spielte ein siegbewußtes Lächeln.

»Namenloses Brüderchen,« hob er an, »von heut ab in Ewigkeit heißt du Ronald vom Kloster des Heiligen –«