»Höre zu, Robert« – seine fiebernde Hand krampfte sich über meine Linke – »gib mir dein Land! Es bleibt dann beim Wählinger Blute.«

Dies machte mich lachen.

»Ronald, wer sollte dich, den Bastard, anerkennen? Du treibst Scherz, Bruder. Schlüpf aus deiner Kutte und fahr mit mir in die Fremde. Sieh, wir haben Fäuste und Arme wie Eisen, mit dem Schwert in den Händen werden wir treffliche Streiter Gottes. Quäle dich nicht mit Unmöglichem; denk, ich verzichte trotz des gewohnten Genusses, du aber hast nichts zu vergessen, weil du nie besessen hast.«

Ronald geriet in wachsende Erregung.

»Ich nicht besessen? Ist das Besitz, das bißchen Hof und Haus, das bißchen Volk und Fron? Hier sitzt mein Erbe, hier im Herzen, das Wählinger Blut! Das Blut, Robert, das herrschen will, um dienen zu können.«

So unwirklich erschien mir das Ziel, darauf er lossteuerte, daß ich nichts Ernsthaftes erwidern konnte, ohne ihn zu verletzen. Ich verschanzte meine Verlegenheit hinter leeren Worten, obzwar ich von fern fühlte, dieser Mensch war rechtlos vor den Menschen, aber nicht vor Gott.

»Diene,« scherzte ich oberflächlich, »und eines Tags sitzt du im Purpur des Kardinals, ja unter der Tiara, und das ist ein weiteres Feld für deine Herrschersorgen –«

Er fuhr mit dem gestreckten Arm durch meine Worte, in seinen Mienen kämpften Verachtung und Zorn. Ich bewunderte ihn mit einem inwendigen Lächeln, indem ich mich dabei ertappte, mein eigenes Bild zu bestaunen – ach, mein eigen Bild ohne die Spuren des wüsten Lebens, ohne die Gedunsenheit des Weins, ohne die Gier der Laster. Jedoch nicht einmal zu einem herzhaften Neid schwang sich meine ermattete Seele auf.

Er grollte:

»Fürst dieser Kirche? Nein! – Ich will ein Volk, keine Völker! Diese Erde will ich, nicht den Himmel. Nur was diese Hände halten können, mehr begehr ich nicht, nur die Heimat, nur das Land meiner Ahnen –«