Wählinger Blut! Der Vater, die Ahnen, ich selbst – ach, wie hatten wir das Blut der Herzöge ins Volk getragen! Und doch war jener fremde – Bruder das erste jener Geschöpfe, das ich bewußt erblickte. Mir grauste bei dem Gedanken, ohne Wissen vielleicht eine Schwester, eine Tochter meines Vaters, je in den Armen gehalten, eine alte Schuld zum Verbrechen gesteigert zu haben – mir graute vor dem Wählingerlande – fort, nur fort von dem doppelt geschändeten, doppelt verdammten Boden, hin in eine Ferne ohnegleichen, wo niemand von mir und meiner Schmach wußte!
»Robert!« klang es leise; der Mönch war lautlos hinter mich getreten, ich wandte den Kopf und starrte ihn offenen Mundes an: da stand ich selber, wie kein Spiegel mich besser schildern konnte, bleichen Gesichts, aber Zug um Zug ich selbst. Der wilde Bart war verschwunden, das Haar gebändigt, die Mienen innerlicher, edler. Ich stotterte verwirrt, beschämt, mit unklarem Dankgefühl gegen das Geschick:
»Bruder, wie nennst du dich?«
Ein Leuchten glitt über seine lauteren Augen, als ich mich so neben ihn stellte; er zog mich zu sich auf den Boden.
»Ronald heiße ich, Blut von deinem Blut. Robert, mir brennt das Wählinger Geschlecht im Herzen, du darfst das Land nicht verlassen, mich hat Gott in deinen Weg geführt,« flüsterte er; sein heißer Atem streifte sengend meine Stirn.
»Was ist Geschlecht?« murmelte ich haltlos, von einem verlorenen Gedanken fortgetrieben.
Und er, fast zornig:
»Steh einmal draußen, und du wirst es wissen! Sage, Robert, sage zum letztenmal, bist du wahrhaft willens, außer Landes zu gehen?«
»Was fragst du noch? Ich lasse nichts zurück.« Ich seufzte bitter auf, mit den Füßen stieß ich in das sterbende Feuer, daß die Funken flogen.
Rötliche Morgenlichter spielten durch die Stämme, der Wald begann zu leben. Ein Wind lief schmal und kühl vor der Sonne her, die jungen Blätter rauschten.