»Mein Herzogtum liegt hinter mir,« entgegnete ich ihm, »ich stürzte den Tisch und verjagte den Schwarm. Ich sprengte in die Nacht und entfloh meiner Tat; das Weitere weißt du besser als ich. Ich verlasse Land und Volk, mögen sich Frankreich und England darin teilen, da niemand meines Blutes lebt. Ich will büßen; du wanderst zum heiligen Grab – nimm mich mit! Es ist mir weniger um das Gebet zu tun, aber die Heiden haben einen neuen Sultan, der Jerusalem bedroht. Vielleicht erlaubt mir Gott die Sühne in der Schlacht.«

»Das nennst du Sühne?« fragte der Mönch zwischen den Zähnen. Es arbeitete in der gewaltigen Brust, plötzlich sprang er auf und trat groß und mächtig vor mich hin. Er glich Zug um Zug einem Antlitz, das ich kannte; nur schien sein Gesicht älter und trauriger als das meiner Erinnerung, das war immer voll wilder Fröhlichkeit und Jugend, trotz grauer Locken; und dieses Haupt vor mir war blond wie ich. Jäh überfiel es mich: diese Augen waren die meines Vaters.

Er las mir die Gedanken von der Stirn, sein Mund verzog sich zu dem Hauch eines Lächelns; stumm nickte er mir zu.

»Du läufst davon, Robert, aus Angst vor dir selber, vielleicht auch vor den Montgerrats und ihren königlichen Verwandten; du läufst davon, Herzog, und vergißt die Pflicht gegen dein Geschlecht. Die Rechte, die du von deinen Ahnen erbtest, hast du vergeudend genutzt, die Pflichten trittst du in den Staub.«

»Hast recht, Mönch,« sagte ich ruhig, »aber ich bin nicht wert, fürder ein Volk zu führen; ich kann nicht einmal mir selbst befehlen, wie sollte ichs anderen! Unser Blut ist eben müd und mürb geworden, die Wählinger sind reif zum Untergang –«

»Narr!« schrie der Mönch und schlug mir die Hand auf die Achsel. »Fahr zur Hölle, wenn du müde bist! Mein Wählingerblut ist nicht verfault, und hältst du das Land nicht, Feigling so krieche in meine Kutte, indes ich dein besudeltes Seidenwams zu Ehren bringe.«

Ich erstaunte kaum über diese Reden, zu tief saß der Verzicht auf das Irdische in meiner Seele. Gleichmütig versetzte ich:

»Du willst ein Wählinger sein? Laß hören!«

»Ich zeig es dir besser, Bruder Robert,« stieß jener hervor, und die schweren Schultern schütterten vor Erregung, »warte ein Weilchen! Dein Vater hat mich wie dich gezeugt; dich in Claraforte im Bett einer Königstochter, mich in einer Sommernacht dieser Wälder mit einem Kind unseres Volkes. Du hast den Thron geerbt, ich das Elend, aber wir sind gleichen Blutes. Verziehe hier, Robert, ich bitte dich, nur einen kurzen Augenblick, nur eine kleine Messe lang!«

Er drückte mir die Hand, daß sie schmerzte, griff sein Bündel und lief davon. Mit schlagendem Herzen blieb ich zurück, gerührt von der heißen Leidenschaft, mit der er bat, und nun doch aus meiner Betäubung aufgescheucht und von Geheimnissen geweckt.