»So war sie eine Dirne und beschimpfte Euch mit einem leichtfertigen Leben?« fragte der Mönch leise.

Ich schrie:

»Nein! Nein! Blüte der Unschuld, Schönheit, Tugend – ich war ein Narr, ein Schurke!«

»Halt, Herr, verleiht Eurer Schuld nicht so große Worte; das mildert sie nicht. Könnt Ihr, so erzählt, wie es kam.«

Mit seiner tiefen, irgendwie verwandten Stimme zwang er mich zur Ruhe, ich starrte auf das Feuer und sprach betrachtender:

»Von meinem Vater hab ich einen Überschuß an Kraft geerbt; mein leichtsinniges Herz verschwendete das in Sausen, Prassen und Schlimmerem. Keine Dirne war vor mir sicher. Gott und Könige vertrauten meinem Geschlecht ein Herzogtum – ich habe Land und Volk an den Abgrund gebracht; sie heißen mich den Teufel und schrecken die Kinder mit meinem Namen. Einmal, vor Jahresfrist, glaubte ich an ein besseres Sein, bei meiner Heirat mit Aleit von Montgerrat. Hast du die Herzogin je gesehen?«

Das verhüllte Haupt senkte sich bejahend.

»So brauche ich nichts von ihr zu sagen. Sie war lieblich und rein wie Gottes Engel. Genug, ich nahm nach vier raschen Wochen mein altes Leben wieder auf, in meinen Schlössern hausten die Schlemmer und Dirnen, das Volk mußte zahlen, die Herzogin ward vergessen; denn zu den Gelagen erschien sie nie. Bis auf gestern. Mein eigenes Haus hatte ich wenigstens vor dem Schlimmsten reingehalten; gestern brach ich, von Jagd und Trunk erhitzt, mit Mann und Meute in meine Halle zu Claraforte und besudelte den Boden, den ihr Fuß entsühnt hatte. Höhnische Reden meines Gefolges stachelten mich, die Herzogin an unseren Höllentisch zu holen. Ich trug sie, die lautlos weinte, auf den Armen in den Saal, sie saß, sie sah mit erschreckten Kinderblicken das halbnackte Dirnenpack, loderte, stand auf und wies mit dem Finger gebieterisch zur Tür – da fegte ich sie mit der Hand von ihrem Platz, ihre Stirn schlug an einem Pfeiler auf, sie brach zusammen und starb.«

»Strecke deine Hand aus!« befahl der Mönch, und ich tat es willenlos: das Feuer beleuchtete eine rohe, große, gewalttätige Faust. Der Priester schlug die Kutte zurück und starrte mich haßerfüllt an. Heiser kam es ihm aus dem Munde:

»Mit dieser Klaue hast du den lichten Engel erschlagen« – er griff an seine Brust, als erdrücke er ein zorniges Herz, leiser fuhr er fort: »Mit dieser Hand wirst du Sühne tun, Herzog Robert!«