»Ehrwürdiger Vater, Ihr sprecht deutsch wie ein Normanne. Wes Landes seid Ihr?«
»Weiß selber nicht,« wich ich aus, »ich bin Gottes. Das Abendland ist mir geläufig auf deutsch, französisch und sächsisch. Auch Italienisch lernte ich und schreibe und spreche Lateinisch. Nehmt mich mit, Herr, vielleicht kann ich Euch in manchem zu Diensten sein. Lohns begehr ich nicht, aber Fahrt und Pflege müßt Ihr zahlen.«
Mit zitternder Seele spielte ich den Sorglosen, nahm mein leeres Beutelchen aus der Kutte und wendete es um – ach, ein vergessener Pfennig fiel heraus, rollte über die Steine und schoß blinkend in das Wasser.
»Seht, Herr,« sagte ich lachend, »das Scherflein des Armen opfere ich den Meeresgöttern, daß sie uns sanft tun.«
Der Ritter lachte laut und herzlich, ihr Antlitz aber ward von einer noch tieferen Blässe überzogen, und eine Träne hing an der blonden Wimper.
»Wir sind einig,« sagte der Ritter hastig, denn plötzlich gellten von der Kogge drei Pfiffe, »es ist kein Priester an Bord, und mein Gemahl – in den Nachen, Mönch, und auf gen Jerusalem!«
Ein Wellenplätschern, ein Wink von Gottes Braue – ich stand an Deck eines Schiffes, das ruhvoll mit geschwellten Segeln durch die Sternennacht glitt, dem heiligen Ziele zu.
3
Die Kogge hatte nur Deutsche an Bord, Ansiedler, denen die Heimat, Abenteurer, denen die Welt zu eng schien. In den Kajüten der Ritter, Herr Eberhard von der Wilze, und einige Kaufherren aus dem Norden, die mit kalten, gleichgültigen Gesichtern und hocherhobenen Nasen auf das übrige Volk herabsahen und hinter unbewegten Stirnen Zahlen und Warenballen von einem Ende der Erde an das andere jagten. Heil mir, daß ich nicht als Herzog reiste – die Kogge wäre mein gewesen, erfüllt von bechernden Mannen, und nichts wäre geändert, als daß meine Tafel und meine Laster ihren Schauplatz gewechselt hätten. Jetzt sah ich Wunder, wohin mein Auge traf.