»Laß dir sagen, Freund, ich besinne mich, oft den Schlummer eines Weibes gestört zu haben, aber damals habe ich ihn bewacht, wie eure Ritter ihres Herzogs Banner. Es war eine Nacht mit wechselnden Launen: jetzt kam ich mir großartig, im nächsten Augenblick abgeschmackt, im dritten schmachvoll übertölpelt vor. Ich spottete meiner selbst, indes ich der erzwungenen fleischlichen Fasten gedachte, jedoch das Spiel war neu für meine stumpfen Sinne und fesselte mich. Immerhin schien mir klar, daß ich in der nächsten Nacht an mein Ziel kommen müßte, sollte ich überhaupt als Mann bestehen. Denn siehe, Freund Ronald, im Sieg über das Weib erblickte ich zu jener Zeit meine Triumphe.

»Die Nachtwache und der helle Morgen kühlten meine Gelüste und dämpften meinen Mut. Ich ließ ihr, die mich freundlich begrüßte, ein Bad bereiten, und sie entstieg ihm, nun doch in einer lichten Seide, wie ich sie gebeten hatte, und nahm mit mir den Morgenimbiß. Mir war, als sei die Lieblingsfrau Saladins, mehr, des abendländischen Kaisers kühle Gemahlin bei mir zu Gaste; meine Verlegenheit wuchs unter den wenigen belanglosen Reden, die wir wechselten, und ich fühlte im Herzen am Stocken des Blutes: hier blieb mir nur Freveltat oder Flucht, da uns zu dem, was uns im eigentlichen beseelte, die gemeinsame Sprache fehlte. Mein alter Arzt kam als Retter, er war sprachenkundig wie Salomo. Ich stotterte von einer dringlichen Reise, befahl sie in die Obhut des Greises und wies ihr meinen Palast zur Wohnung an. Fort, nur fort und Atem holen.

»Drei Monde tummelte ich mich auf der Steppe, aber nicht ein Sandkorn rann durch die Stunde, ohne daß ich ihrer gedachte. Meine Freunde und Gesellen erkannten mich nicht wieder, aus einem zügellosen Erben war ein wortkarger, ernsthafter Mann geworden, dessen Leben eben erst im Anfang stand … Was ist dir?«

Meine Hand flog wie im Fieber, Nebel wallte mir vor den Augen. Jenseits einer ungeheuren Schlucht stand die Vergangenheit und winkte herüber. Wahrlich, klein wie Staub ist die Welt in Gottes Hand und dürftig ihre Schicksale.

»Nichts, nichts!« keuchte ich mühsam und stammelte von den Anfängen des Lebens, die sich absonderlich oft wiederholend berührten.

Der Emir sah mich nachdenklich an und fuhr, sichtlich in innerer Bewegung, fort:

»So kommt auch dem Abendlande die Erkenntnis der Ewigkeit dieses Erdendaseins? – Doch laß mich zu Ende berichten, Ronald, obzwar meine Geschichte nicht gar lustig auf ein Krankenlager gestimmt ist. Die Sehnsucht – Wünsche ohne Häßlichkeit – trieb mich wieder in mein Haus, ich sah sie, die heiteren Auges mir den Willkomm bot, und erkannte, daß sie gesegneten Leibes sei. In diesem Augenblick versank die eben emporgestiegene gute Welt in mir, ich wähnte mich von einer Dirne, die sich an Schranzen weggeworfen, in der lächerlichsten Weise betrogen und packte sie rauh bei der Schulter. Sie entzog sich mir nicht, sie richtete ihre Augen auf mich, und meine sinnlosen Worte erstarben, die freche Faust löste sich zu einem scheuen Streicheln, ich neigte den Kopf und ergab mich, bevor ich kämpfte. Der Arzt verließ lautlos das Zimmer.

»›Dies ist das letzte und beste Geschenk meines toten Gefährten,‹ sagte sie mit einem eigenen Lächeln, ›und mag uns noch so viel verbinden, Emir Jussuf, dies werdende Leben türmt eine Schranke, die uns zu überschreiten versagt ist.‹

»›So fühlst du ein Band zwischen dir und mir?‹ rief ich freudig aus, alles Trennende vergessend.

»Ihre Augen lagen wie ein Frühlingstag über mir, ich hätte ihr größere Dinge geglaubt als dies: ›Emir, wir sind einander begegnet, seien es tausend oder tausendmal tausend Jahre her, und unsere Seelen sind für immerdar nebeneinander in Gottes bunten Teppich geknüpft.‹