»Ist das eines Herzogs würdig,« sagte ich, »die Braut eines anderen zu stehlen?«

»Ach, du Schleicher! – Die Braut eines – Mach dich nicht lächerlich, Alter; ich habe den ersten Kuß von diesen Lippen gepflückt. Ihr täuschtet Euch in der Dunkelheit und meintet eine andere.«

»Du willst noch lügen, Bube!« schrie ich empört. »War es nicht Sobeide, mit der du in deiner stinkenden Hütte freveltest?«

Der Junge tat ein wildes Lachen, aber es klang nicht echt.

»Ist Liebe Frevel? Und stinkende Hütte, sagst du? Wo sämtliche Rosen des Gartens zu ihrer Ehre um sie versammelt sind? Aber sage mir, wessen Braut soll Sobeide sein? Sie selber weiß es nicht, oder –?«

Er neigte plötzlich nachdenklich den Kopf und biß die Lippen – wie eng beieinander wohnen Liebe und Argwohn! Mit solchem Herzen wollte ich ihn nicht in die Ewigkeit entlassen und berichtete:

»Sie ist dem Emir bestimmt, allerdings ohne ihr Wissen. Genug davon: sage mir eins: Hast du sie angetastet?«

Der Junge sah mir verständnislos ins Gesicht, seine Augen gewannen eine Fülle rührender Kindlichkeit. Als er schließlich begriff, wogte ihm das Blut über die Stirn, er schlug mit der freien Hand auf meinen Arm und schrie:

»Lästere sie nicht! Gib mich endlich frei! Dem Ungläubigen willst du sie verschachern!«